Noblewood Group: Sind die Anleger auf dem Holzweg?

Vermutlich schon. Ein Holzweg war im Mittelalter keine Verbindung zwischen zwei Orten, sondern führte lediglich in den Wald zu einer Stelle zur Holzbeschaffung. Geriet ein Wanderer auf einen Holzweg, erreichte er kein Ziel, sondern ihm drohten Schwierigkeiten. Diese drohen auch den Anlegern in die Noblewood Group. Denn deren Angebote für Direktinvestitionen in Holz wären nicht die ersten, die nur dazu geschaffen wurden, an Anlegergelder zu kommen und gar nicht beabsichtigten zwingend wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Um derartige Investments auf dem deutschen Markt anzubieten, benötigt der Anbieter einen Verkaufsprospekt. Weil die Noblewood Group dieser Prospektpflicht nicht entsprach, wurde ihr von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) das Anbieten von Vermögensanlagen in Deutschland untersagt. Das war am 3. April 2019 und an dieser Situation hat sich bis jetzt auch nichts geändert.

Die paradiesischen Verheißungen der Noblewood Group
Das Wohnen auf einem 10.000 Quadratmeter weitem Grundstück umzäunten Grundstück, zwischen Obstbäumen, innerhalb eines ökologisch geführten Aufforstungsgebietes, mit einem fantastischen Ausblick auf die Gebirgskette Ybytyruzu, wird versprochen, in einem 100 Quadratmeter großen Haus aus Naturstein mit einem Schilfdach, einem 100 Meter tiefen Brunnen und einem Pool von vier mal sechs Metern, dazu Pergola, Grillecke, Außendusche und ein geschotterter Zufahrtsweg. Dazu soll es noch einen Hektar Forst geben, der mit Kiri, Zedern und Mahagoni aufgeforstet wird und dessen Pflege im Preis von knapp 120.000 Euro mit enthalten ist.

Noblewood Group verschweigt die wenig verheißungsvolle Realität
Es wird damit geworben, dass der Käufer sich aussuchen kann, welches Obst in seinem Garten wächst. Da ist die Rede von 250 Fruchtbäumen, wie Apfelsinen, Mandarinen, Zitronen, Aprikosen, Nektarinen, Mangos, Papayas, Bananen, Amarula, Zapoty, Acai und Stachel-Annone, zwischen denen sich die Käufer entscheiden können. Mal davon abgesehen, dass Papayas und Bananen nicht an Bäumen wachsen, sollte man sich darüber im Klaren sein, das Obst gibt es erst nach vielen Jahren – wenn es denn gedeiht. Die Acai-Palme wächst eigentlich nur in Sümpfen oder direkt an Fließgewässern. Der 100 Meter tiefe Brunnen lässt darauf schließen, dass es auf dem Land beides nicht gibt.

Noblewood Group sagt nichts zur Lebenssituation in Paraguay

Vier Fünftel der nach Paraguay Ausgewanderten kommen schon nach kurzer Zeit zurück. Nicht jeder ist für das abgeschiedene Leben mit nur einer kleinen europäischen Community geschaffen, zumal deren Mitglieder oft missionierenden evangelikalen Kleinkirchen angehören. Die klimatischen Bedingungen setzen vielen Menschen gesundheitlich zu. Im Osten Paraguays herrschen in der warmen Jahreszeit subtropische Bedingungen, mit Temperaturen zwischen 24 und 29 Grad, wobei aber auch Höchstwerte von 48 Grad erreicht werden. In den kalten Monaten strömen zum Teil sehr kalte Luftmassen ein, sodass in manchen Nächten Minusgrade erreicht werden. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Kriminalität in Paraguay. Immer wieder kommt es zu Überfällen und Geiselnahmen bei der gerade Deutsche häufige Opfer sind.

Noblewood Group verschweigt die Risiken eines Holzinvestments
Aber auch ein ganz normales Holzinvestment ist mit enormen Risiken verbunden, welche von der Noblewood Group geflissentlich verschwiegen werden. Die globalen Holzpreise sind sehr volatil. Prognosen über deren zukünftigen Preis, gerade wie sie von der Noblewood Group abgegeben werden, sind rein spekulativ. Es gibt auch sehr große Unterschiede bezüglich der Holzqualität. Die Noblewood Group wirbt mit besonders schnellem Wachstum in ihren Forsten, auch wenn deren Behauptung, dass es fünf- bis zehnmal so schnell ginge, unglaubwürdig sind, sicher ist, dass die Holzqualität und damit der Preis abnimmt. Schon in der Setzlingsphase können Nachtfröste zu Verlusten und zu Verzögerungen führen. Aber auch kurz vor der Ernte birgt eine solche Investition Ausfallrisiken, zum Beispiel durch eines der immer häufiger auftretenden Großfeuer oder Starkwinde. Ebenfalls kann ein Pilz- oder Schädlingsbefall zum Totalverlust führen.

Noblewood Group verweist auf eine Geschichte, die nicht nachvollziehbar ist.
Angeblich beliefert die Noblewood Group die holzverarbeitende Industrie in den Vereinigten Staaten, Portugal und Deutschland, ein Nachweis wird dafür an keiner Stelle erbracht. Auch im Internet finden sich keine Hinweise auf einen Lieferanten namens Noblewood Group. Aus dem selben Grund haben wir auch Zweifel an der behaupteten siebzehnjährigen Expertise in der Veredelung von Baumsetzlingen, der Bodenvorbereitung, der ökologischen Forstwirtschaft insgesamt und vor allem dem zehnmal so schnellem Wachstum, im Vergleich zu anderen Forsten. Auch der Hinweis, dass in den Forsten der Noblewood Group auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet wird, ohne die ökologischen Alternativen auch nur anzudeuten, ist seltsam.

Noblewood Group – kein Hinweis auf Registrierung oder Rechtsform
Weder die Webseite, noch die Werbeunterlagen der Noblewood Group geben einen Hinweis auf die Registrierung der Noblewood Group oder die Rechtsform, unter der das Unternehmen von Carsten Rickel und Gerson Kieling geführt wird. Die angegebene Steuernummer entspricht auch nicht dem in Paraguay üblichen Format mit vier Buchstaben und sieben Ziffern. Mit diesen dürftigen Angaben ein, nach eigenen Worten “Crowdinvest” zu initiieren ist schon ziemlich dreist. Man möchte sich gar nicht vorstellen, was einem blüht, wenn ein Investor irgendwann in Streit mit der Noblewood Group gerät, der Gerichtsstand in Asuncion, der Hauptstadt Paraguays, ist und der Gegner dort gar nicht registriert ist.


Noblewood Group macht Fehler in Milchmädchenrechnung


In der letzten Spalte in der unteren Zeile verspricht die Noblewood Group satte 250.000 Euro Gewinn nach Abzug aller Leistungen. Bei einem Verkaufspreis von 1000 Euro und 250 Kubikmetern beträgt die Verkaufssumme 250.000 Euro und nach Abzug der 20 Prozent sind es 200.000 von denen man freilich noch die Summe des investierten Geldes abziehen muss. Es sind also 177.000 Euro Gewinn – 73.000 Euro weniger als angegeben. Milchmädchenrechnung nennen wir es auch deshalb, weil es auch schon Perioden gab, in den denen der Verkaufspreis für Mahagoni bei gerade mal 500 Euro lag. Dann kämen wir auf die im Werbeprospekt angegebene erzielte Summe von 125.000 Euro nach Verkauf, auf 100.000 Euro nach Abzug der Aufwandspauschale und auf traurige 77.000 Euro nach Abzug der Investitionskosten und einer 15 Jahre andauernden Wartezeit – und auch nur dann, wenn im Forst der Noblewood Group alles gut und mit rechten Dingen zuging.

Es gibt eine Reihe weiterer Risiken die von der Noblewood Group nicht genannt wurden

Neben den schon genannten Naturkatastrophen, kommt es auch immer wieder zu Dürreperioden, die einen Totalausfall herbeiführen können. Zudem gibt es ein Währungsrisiko, wenn in US-Dollar oder dem paraguayischen Guarani abgerechnet wird. Zudem kam es in den letzten zehn Jahren immer wieder zu schweren politischen Unruhen, so wurde Anfang 2017 das Parlamentsgebäude in Brand gesteckt. Derzeit ist kein Ende dieser Unruhen abzusehen.

Noblewood Group-Anleger sollten handeln
Vielleicht irren wir uns ja auch hinsichtlich der forstwirtschaftlichen Aussichten der Noblewood Group. Allerdings ist nicht erkennbar, wo in diesen Projekten wirklich Innovatives steckt, dass die üblichen Generalrisiken von Holzinvestments eindämmt. Die BaFin-Untersagung gegen die Noblewood Group hat weiterhin Bestand. Die Webseite der Noblewood Group wird seit Monaten nicht mehr aktualisiert oder gepflegt. Darum können wir gar nicht anders als zu raten, die Finger von den Angeboten der Noblewood Group zu lassen und eventuelle Zahlungen sofort zurückzufordern. Dazu sollten Sie jedoch einen Fachanwalt für Kapitalrecht hinzuzuziehen, um zu erörtern, wie die optimale Strategie gegen Noblewood Group und seine Vermittler aussehen sollte.

Noblewood Group-Anleger bekommen kostenlose Hilfe

Welche Erfahrungen haben Sie mit Noblewood Group gemacht? Wir wollen Ihne mit einem besonderen Service helfen. Wir bieten Ihnen an, eine kostenlose Einschätzung Ihres Falles vornehmen zu lassen. Sie erfahren, welche Erfolgsaussichten bestehen und wie hoch die Kosten wären, die Ihnen gerichtlich oder außergerichtlich entstehen würden.

Wenn Sie an der Ersteinschätzung Interesse haben, füllen Sie bitte den Fragebogen aus.