Betrugsgeständnis und Namensänderung von SHB Erlenhofpark in SonnenHöfe Unterhaching

09.05.2014 GOMOPA : Betrugsgeständnis und Namensänderung

Auf der Gesellschafterversammlung des geschlossenen Immobilienfonds SHB Innovative Fondskonzepte AG & Co. Erlenhofpark München-Unterhaching KG aus dem bayerischen Aschheim (Einsteinring 28) vor einer Woche ging es hoch her.

Der Beiratsvorsitzende und Anlageberater Bernhard Biel gestand, dass "die Anlageberater gelogen und betrogen" hätten, wie der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net übereinstimmtend aus unterschiedlichen Quellen erfuhr. Dennoch sollen die Anleger weitere 50 Millionen Euro in den unrentablen Fonds pumpen, so der Beschluss.

Der Fonds soll außerdem einen Sanierungsbeitrag an die Objektgesellschaft des Erlenhofparks (Gewerbezentrum Unterhaching Landthaler AG & Co. KG im Einsteinring 28 in Aschheim) leisten und auf die Zinsen für ein ausgereichtes Darlehen in Höhe von maximal 20 Millionen Euro verzichten.

Außerdem soll der Fonds dem Treuhänder Prudent Treuhand Vermögensverwaltungs GmbH aus Pöcking in Oberbayern die Kosten bezahlen, mit der die Prudent Treuhand 7 anhängige Klagen von Anlegern mit einem Streitwert von rund 100.000 Euro abwehren könne. Ansonsten würde der Treuhänderin mit einem Stammkapital von 25.000 Euro die Insolvenz drohen.

Eine nennenswerte Gegenwehr zu den Beschlußvorlagen von Anlegern gab es nicht. Es war ja kaum ein Anleger anwesend.

Manfred und Jochen Resch aus Berlin
vertreten Erlenpark-Kommanditisten

Warum nun außerdem eine ordentliche Gesellschafterversammlung von Fondsmanager Gerd Dombrowski (57) aus Dietramszell in Bayern mit Kosten in Höhe von 20.000 bis 25.000 Euro beziffert wird und weshalb daher die SHB Innovative Fondskonzepte AG & Co. Erlenhofpark München-Unterhaching KG aus Aschheim künftig nur noch alle zwei Jahre eine Generalversammlung abhalten soll und damit den Anlegern nur noch alle zwei Jahre Gelegenheit gibt, Beschlüsse zu fassen, erschließt sich angesichts der leeren Stühle auf der letzten Versammlung vor wenigen Tagen kaum..

Nur 80 der 6.800 Kommanditisten sind der Einladung am 30. April 2014 ins Hotel RAMADA in München von 10 bis 17 Uhr gefolgt, weshalb die Stimmrechte laut Gesellschaftsvertrag auf die Prudent Treuhand Vermögensverwaltung GmbH von Rechtsanwalt Werner Seltmann (65) aus Pöcking übergingen. Aber nicht mal der Treuhänder erschien persönlich, sondern übertrug wiederum alle Stimmrechte (80 Prozent) auf den Beirat der Fondsgesellschaft.

Der war anwesend und konnte nun mit dem Beiratsvorsitzenden Bernhard Biel an der Spitze praktisch alleine beschließen, wie es mit dem Fonds, der sich in Finanznöten befindet, weitergehen soll.

Aber konnte der Beirat überhaupt die Interessen der Anleger vertreten?

Immerhin sitzen im Beirat genau die Vermittler, die den Anlegern die Fondsbeteiligungen im Jahr 2006 als sichere oder clevere Immorente verkauft hatten.

Die Wirklichkeit des Fonds sieht heute wesentlich anders aus.

Der Mietvertrag eines wichtigen Mieters im Erlenhofpark bei München läuft aus und wird wohl nicht verlängert. Für die Anwerbung eines neuen Mieters sind erst einmal teure Umbauten fällig.

Eine Bank wartet seit Sommer 2013 auf rund 42 Millionen Euro Rückzahlung eines fällig gestellten Kredits.

Und Fondsmanager Gerd Dombrowski schilderte nun den Anwesenden auf der Gesellschafterversammlung eindrucksvoll, wie sich Beobachter Rechtsanwalt Jochen Resch aus Berlin gegenüber GoMoPa.net erinnert, wie Dombrowski bei fast jeder Finanzierungsbank angefragt habe, ob denn die Weiterfinanzierung durch eine Umschuldung durchführbar sei. Resch: "Bislang ist das nicht gelungen."

Die Entwicklung des Fonds seit 2006 fasst Resch, der etliche Kommanditisten vertritt, wie folgt zusammen:

Zitat:

Nach dem Gesellschaftsvertrag sollten einschließlich stiller Beteiligungen 125 Millionen Euro eingesammelt werden. Versprochen ist, dass sich dieser Einsatz verdoppelt, mithin also ein Wertzuwachs auf 250 Millionen Euro erfolgen wird.

Mit rund 42 Millionen Euro ist die Immobilie mit Krediten belastet. Der Wert der Immobilie beträgt rund 50 Millionen Euro. Faktisch ist die Immobilie damit (fast) nichts wert. Eine Wertentwicklung dieser Immobilie auf 250 Millionen Euro war von vornherein unseriös. Das Versprechen, die Einlage werde sich verdoppeln, war von Anfang unseriös.

Das Geschäftsprinzip bestehe nach Einschätzung von Resch im Augenblick nur aus Hoffnung auf einen Finanzierer, der die Umschuldung bezahlt.

Offenbar um die Suche nach dem Retter zu erleichtern, beschloss nun der Beirat eine Fondsumbenennung.

Die SHB Innovative Fondskonzepte AG & Co. Erlenhofpark München-Unterhaching KG heißt künftig SonnenHöfe Unterhaching GmbH & Co. Fonds KG.

ConventNahm an der ordentlichen Gesellschafterversammlung der SHB Innovative Fondskonzepte AG & Co. Erlenhofpark München-Unterhaching KG am 30. April 2014 im Hotel RAMADA in München teil: Rechtsanwalt Michael R. Moser (45) aus Bad Wörishofen in Bayern © CSU.de Ein weiterer Beobachter, Rechtsanwalt Michael R. Moser (45) aus Bad Wörishofen in Bayern, der ebenfalls etliche Kommanditisten vertrat, kommentiert diesen Beschluss so:


Zitat:

Die Fondsgeschäftsführung will sich dadurch vom dem durch die S&K-Machenschaften verursachten ramponierten Image befreien und erwartet sich auch eine bessere Aussendarstellung und Verhandlungsposition gegenüber Investoren, Banken und Mietinteressenten.

[...]

Eine wesentliche Ursache für das Refinanzierungsproblem Mitte 2013 waren Versprechungen der damaligen Geschäftsführung, die unter dem Einfluss der S & K Gruppe stand, wie Gerd Dombrowski berichtete. In Aussicht gestellte günstige Kredite über Liechtensteiner Banken erwiesen sich als leere Versprechungen.

So musste nach einer Auswechslung der Geschäftsführung im Zuge der S & K-Pleite die jetzige Geschäftsführung die Verhandlungen unter erheblichen Druckverhältnissen mit der aktuell finanzierenden Gesellschaft beginnen.

Dabei berichtete Dombrowski jetzt, dass die Gespräche von zunehmendem Vertrauen und einer positiven Perspektive geprägt sind. Auch konnte mit der McCAFFERTY Asset Management GmbH ein neuer Immobilienmanager gewonnen werden.

Auf dieser Zusammenarbeit ruhen die Hoffnungen der Fondsverantwortlichen. Mit Unterstützung des neuen Immobilienmanagers will die Geschäftsführung auch die Leerstände von etwas mehr als 10 Prozent beseitigen und notwendig werdende Neuvermietungen zügig erfolgreich angehen.

Wenn dann noch die Refinanzierungsfrage vollständig gelöst ist, dann wendet sich das Blatt für den Fonds zum Guten, ist sich Dombrowski sicher, und es geht buchstäblich "die Sonne auf" über den SonnenHöfen.

Diesen herbeigesehnten Sonnenaufgang sollen allerdings die Anleger finanzieren. Der Beirat beschloss kraft seiner Mehrheit, dass die einst gezeichneten, aber noch nicht eingezahlten 50 Millionen Euro von den Ratensparern trotz der nicht erreichten Fondsziele eingezahlt werden müssen. Einen Vorteil für die Anleger kann Anlegervertreter Resch nicht erkennen. Der Beirat hatte ihn und andere Anlegervertreter bei der Beschlussfassung einfach überstimmt.

Jochen Resch beschreibt die Folgen nun so:


Zitat:

Was ist die Perspektive?


Die Fondsverwaltung hofft auf die Umschuldung. Nur wenn sie geling, geht es weiter. Trotzdem ist die Immobilie dadurch nicht wertvoller. Wozu braucht man 125 Millionen Euro für eine Immobilie im Wert von 50 Millionen Euro? Wer kriegt das Geld?

Warum sollen Anleger noch die offenen 50 Millionen Euro in Raten einzahlen?

Bekommen die Anleger dann wenigsten ihre Einlage zurück? Die Fondsverwaltung hat dafür keine überzeugende Antwort gegeben. Es gilt das Prinzip Hoffnung. Man hofft, das Schlimmste abwenden zu können. Es kann dann irgendwie weitergegen. Die Anleger werden zu Risikokapitalgebern! Das komplette Gegenteil von Sicherheit. Zocken für die IMMORENTE!

Was ist das Schlimmste, wenn die Umschuldung nicht gelingt?

Der Erlenhofpark muss verkauft werden. Schon in der letzten Gesellschafterversammlung hat sich die Fondsverwaltung die Zustimmung geben lassen, die Verkaufsalternative zu prüfen. Die Bank bekommt dann ihren Kredit zurück. Für die Anleger bleibt (fast) nichts. Was aber macht der SHB Fonds Erlenhofpark ohne das Immobilienobjekt Erlenhofpark? Die Fondsverwaltung verwaltet sich selbst mit den Ratenzahlungen der Anleger?

Droht die Insolvenz des SHB Fonds Erlenhofpark?

In der Gesellschafterversammlung war davon nicht mehr die Rede. Die Bank wird hoffentlich bereit sein, auf den Verkaufserlös zur Rückzahlung ihres Kredites zu warten. Hoffentlich.

Zur Überraschung aller anwesenden rund 80 Anleger und Anwälte gab der Vermittler und Beiratsvorsitzende Bernhard Biel schließlich zu, dass der Verkauf der Kommanditbeteiligungen am Erlenhofpark ein Betrug gewesen sei.

Zunächst war in Vertretung zahlreicher Geschädigter Rechtsanwalt Jochen Resch ans Mikrofon getreten und hatte erklärt, er komme sich vor wie auf einer Werbeveranstaltung für Wagniskapital. Viel Hoffnung wird verbreitet, dass man nicht untergehen werde und dass am Ende jeder hoffentlich einen Teil seines Geldes wieder zurückbekommt - wenn alles gut geht!


Resch erinnerte daran, dass eine sichere Kapitalanlage versprochen wurde: Die IMMORENTE.

Rechtsanwalt Resch fragte dann die Verantwortlichen, ob ihnen bewusst sei, dass die Anleger des SHB Erlenhofpark Fonds häufig überredet wurden, aus sicheren Kapitalanlagen, wie Lebensversicherungen, auszusteigen, um diese in eine vermeintlich ebenso sichere, aber renditeträchtigere Anlageform umzusteigen.

Allein der Begriff "IMMORENTE plus" und "Clevere KOMBI" sei absolut irreführend. Die Anleger des SHB Fonds Erlenhofpark hätten im Vertrauen darauf gehandelt, dass diese Anlage nicht nur sicher sei, sondern ihnen am Ende ihren Einsatz verdoppeln werde. Dies ist in dem Sparmodell "Clevere KOMBI" exemplarisch angeboten.

Darauf habe der Beiratsvorsitzende Bernhard Biel, der laut Resch selber das Produkt verkauft hatte, betont, "dass er ordnungsgemäß und wahrheitsgemäß beraten habe. Er bestätigte, dass er aus unzähligen Gesprächen mit Anlegern wisse, dass viele 'betrogen' worden sind! Viele Versprechungen der Anlageberater seien unrealistisch gewesen. Das sei jetzt offenkundig.."

So nahm es Beobachter Resch wahr.

Beobachter Rechtsanwalt Michael Moser war von Biels Betrugs-Eingeständnis ebenfalls überrascht und fasst Biels Aussagen so zusammen:

Zitat:

Der Beiratsvorsitzende Bernhard Bierl ergriff das Wort und bestätigte für die Anwesenden überraschend die Aussagen der Anlegeranwälte.

Er berichtete von Falschberatung seiner Berufskollegen und davon, dass in vielen Fällen Anlageberater auch untergetaucht seien.

"Die Provisionen waren gut und alle wollten am Fondsverkauf verdienen", verdeutlichte Bierl, selbst Finanzdienstleister mit einer jahrzehntelangen Berufserfahrung im Bankbereich, die Interessenlage der Anlageberater.

Dann aber brachte er seinen Unmut über einige seiner Kollegen zum Ausdruck:

"Das Ursprungsproblem ist die Anlageberatung. Die Leute wurden falsch beraten, die Leute wurden betrogen".

Bierl räumte mit Blick auf die ursprünglichen Prognoseerwartungen des Fonds ein: "Versprechungen von 2005 sind heute nicht mehr einzuhalten". Jetzt müsste in die Zukunft geblickt werden, forderte Bierl die Anwesenden Gesellschafter und Anwälte auf.

Zunächst hat der Beirat allerdings per Mehrheitsbeschluss den 49jährigen Markus Schottenhammel aus München entlastet. Schottenhammel war laut Rechtsanwalt Moser bis Mitte 2012 geschäftsführender Kommanditist des Fonds. Und somit für den gegenwärtigen Schlammassel mitverantwortlich.

Eine Gegenwehr von Anlegern konnte es, wie schon eingangs erwähnt, nicht geben, da zu wenige da waren. Und die nächste ordentliche Gesellschafterversammlung, auch das wurde beschlossen, findet erst in zwei Jahren statt. Nun denn...