Prokon – Umstrittene Insolvenzpläne –Was tun?

Stand: 26.05.2015

Prokon-Pleite! –Umstrittene Insolvenzpläne – Genossenschaft oder Verkauf? – Was tun?

Wie geht es weiter bei der Prokon-Pleite? Die Prokon war vor allem im Bereich der Windkraft tätig. Über 300 Windparks, aber auch Biomasse, Stromhandel und Holzverarbeitung bildeten das Geschäftsmodell des Unternehmens. Die Finanzierung erfolgte über Genussrechte, bei denen ca. 75.000 Anleger etwa 1,4 Milliarden Euro investierten.

Allerdings musste das Unternehmen im Januar 2014 Insolvenz anmelden. Seit dieser Zeit bemüht sich der Insolvenzverwalter die Pleite aufzuarbeiten und eine Fortführung des Unternehmens in seinem Kernbestand zu erreichen.

Durch den Insolvenzverwalter wurden dafür zwei Insolvenzplanentwürfe erstellt, die jetzt den Prokon-Gläubigern vorab zur Kenntnisnahme übersandt werden.

Ein Insolvenzplan ist ein Sanierungsplan im Rahmen eines Insolvenzverfahrens, der das Unternehmen erhalten soll.

Grundsätzlich stehen zwei Insolvenzplan-Modelle zur Abstimmung:

Ein Insolvenzplan sieht den sofortigen Verkauf des Unternehmens vor. In einem Bieterverfahren gilt der Energiekonzern EnBW als Favorit. Er will ca. 500 Millionen Euro für die Übernahme zahlen. Beim Verkaufsmodell  würde das Geld dann an die Prokon-Gläubiger und die Genussrechtsinhaber bar ausgezahlt werden.

Ein zweiter Insolvenzplan offeriert Genossenschaftsmodell. Hier soll das Unternehmen in Eigenregie fortgeführt werden. Es erfolgt die Umwandlung in eine Genossenschaft. Dann müssten mindestens 30.000 der 75.000 Prokon-Anleger entscheiden, dass sie auf eine Barauszahlung verzichten und diese in die Genossenschaft einbringen. Im Gegenzug erhalten sie eine Unternehmensanleihe, die über 15 Jahre läuft und mit 3,5 % verzinst wird. Sollten sich genügend Anleger für das Genossenschaftsmodell entscheiden, würden die anderen Anleger und solche Investoren, die weniger als 1.000 Euro in das Unternehmen investiert haben, eine Barauszahlung erhalten. Freilich ist zu bedenken, dass beim Genossenschaftsmodell die Qualität der Führungsmannschaft von entscheidender Bedeutung ist.

Allerdings ist klar, dass die Anleger bei beiden Insolvenzplänen einen Teil ihres investierten Geldes verlieren werden. Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass nur ca. 50 bis 60 % der Forderungen erstattet werden können. Das bedeutet, dass fast die Hälfte des Geldes weg ist! Wahrlich eine deprimierende Erfahrung!

Die Prokon-Anleger müssen sich die Frage stellen, ob sie sich beim Genossenschaftsmodell weiter jahrelang binden wollen und damit auf Gedeih und Verderb mit Prokon verbunden sind oder ob sie beim Verkaufsmodell eine schnelle Barauszahlung und einen Abschluss des Prokon-Desasters bevorzugen.

Am 02.07.2015 findet die nächste Gläubigerversammlung statt und dann gilt es für die vielen Insolvenzgläubiger Entscheidungen zu treffen.

Welcher und ob überhaupt ein Insolvenzplan angenommen wird, wird die Zukunft zeigen. Man darf gespannt sein.

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