Stand:08.07.2015

Prokon-Pleite! –Amtsgericht billigt Insolvenzplan – Genossenschaft kann starten! - Wie geht es weiter?

Zur Prokon-Gläubigerversammlung in der Messehalle Hamburg am 02.07.2015 waren über 2000 Stimmberechtigte erschienen, die weitere Gläubiger vertraten. Auf der Gläubigerversammlung waren damit über 40.000 Gläubiger vertreten, die über 1 Milliarde € Kapital repräsentierten.

Ca. 37.000 Gläubiger (ca. 880 Millionen €) votierten für den Insolvenzplan des Genossenschaftsmodells und erteilten damit dem Stromkonzern EnBW ein Absage.

Das Amtsgericht Itzehoe hat den beschlossenen Insolvenzplan bestätigt.

Sollten binnen zwei Wochen keine Einsprüche gegen den Gerichtsbeschluss erhoben und dieser rechtskräftig werden, wird das Insolvenzverfahren aufgehoben. Dies setzt allerdings auch voraus, dass die Prokon-Genossenschaft rechtzeitig in das Genossenschaftsregister eingetragen wird.

Das Kerngeschäft aus Windkraftanlagenbau und Stromhandel von Prokon kann damit in Eigenregie fortgeführt werden.

Die Gläubiger erhalten damit, aller Voraussicht nach, eine Insolvenzquote von 57,8 %.

Dabei sind zwei Gläubiger-Gruppen zu unterscheiden:

Die Gläubiger, die sich weiter an Prokon, mithin dem Genossenschaftsmodell beteiligen wollen, können künftig 23,3 % ihrer Forderungen in eine längerfristige Mitgliedschaft umwandeln. Sie verzichten damit auf eine sofortige Barauszahlung, sondern bringen einen Teil ihrer Forderungen in die Genossenschaft ein. Des Weiteren haben sie Anspruch auf eine bis zum Jahr 2030 laufende Unternehmensanleihe, die mit 3,5 % verzinst wird.

Nach Auffassung des Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin verfügt aufgrund der hohen Zustimmungsquote der Genussrechtsinhaber zum Genossenschaftsmodell, die Genossenschaft über eine besonders gute Eigenkapitalausstattung. Freilich ist zu bedenken, dass beim Genossenschaftsmodell die Qualität der Führungsmannschaft von entscheidender Bedeutung ist.

Gläubiger, die sich nicht an dem Genossenschaftsmodell beteiligen wollen, erhalten eine Barauszahlung in Höhe von 23,3 % ihrer Forderungen und haben ebenfalls Anspruch auf die handelbare, festverzinsliche Unternehmensanleihe.

Allerdings ist klar, dass die Anleger einen Teil ihres investierten Geldes verlieren werden. Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass nur ca. 60 % der Forderungen erstattet werden können. Das bedeutet, dass fast die Hälfte des Geldes weg ist! Wahrlich eine deprimierende Erfahrung!