Magellan Maritime Services GmbH (MMS) Insolvenz – Musterprozess über Anlegerrechte?

Magellan Maritime Services GmbH (MMS) Insolvenz
Magellan Maritime Services GmbH (MMS) Insolvenz

Spielt der vorläufige Insolvenzverwalter auf Zeit?

Neue Nachrichten vom vorläufigen Insolvenzverwalter! Allerdings keine guten Nachrichten! Für die Magellan-Anleger ist dies eine überaus schlechte Erfahrung und viele stellen sich die Frage, welche Bewertungen und Gefahren für ihre Kapitalanlagen damit verbunden sind. Was passiert mit den ca. 350 Millionen Euro der über 9000 Magellan-Anleger?

Seit dem 01.06.2016 befindet sich die Firma Magellan Maritime Services GmbH (MMS) beim Amtsgericht Hamburg unter dem Aktenzeichen 67c IN 237/16 im Insolvenzverfahren. Wird das Insolvenzverfahren tatsächlich am 01.09.2016 eröffnet und wie geht es dann weiter?

Wenn Magellan-Anleger die neueste Sachstandsinformation (15.08.2016) des vorläufigen Insolvenzverwalters Peter-Alexander Borchardt von Reimer Rechtsanwälte lesen, können sie schon wieder ins Grübeln kommen.

Auch hier wird wieder über den insolvenzrechtlichen Sachstand berichtet. Der vorläufigen Insolvenzverwalters Peter-Alexander Borchardt prüft die rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens. Dabei habe er sich eingehend mit dem Finanzierungsmodell für das Container-Direktinvestment und den zugrundeliegenden Investorenverträgen befasst.

Dabei kommt der vorläufige Insolvenzverwalters Peter-Alexander Borchardt zu interessanten Erkenntnissen: „Hierbei sind erhebliche Widersprüche sowohl bei den vertraglichen Regelungen zur eigentumsrechtlichen Übertragung und Rückübertragung der Container als auch zu den Anspruchsverhältnissen hinsichtlich der Mieteinnahmen aufgefallen.“

Um seiner Sorgfaltspflicht zu genügen, habe der vorläufige Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt eine internationale Großkanzlei (CMS) mit der Prüfung der Investorenverträge und seiner Rechtsauffassung beauftragt. Weiter wird ausgeführt: „Im Ergebnis teilt „CMS“ die von mir festgestellten Zweifel.“

Leider führt der vorläufige Insolvenzverwalter nicht aus, worin denn die erheblichen Widersprüche in Bezug auf die Eigentümerstellung bei den Containern und den Ansprüchen hinsichtlich der Mieteinnahmen bestehen sollen.

Vielmehr wird weiter ausgeführt: „Diese Feststellungen bedeuten selbstverständlich nicht, dass ihrerseits keine Rechte bestehen.“ Allein schon die Notwendigkeit dieser Feststellung ist sehr bezeichnend und sollte die Magellan-Anleger alarmieren.

Aber es kommt noch schlechter! Und zwar so: „Eine abschließende Feststellung, inwieweit es sich hierbei um eigentumsrechtliche „Aussonderungsansprüche“ oder um Schadensersatzansprüche handelt, wird mit endgültiger Sicherheit in dieser Angelegenheit nur ein gerichtliches Verfahren ermöglichen.“

Den Magellan-Anlegern wird schon einmal gerichtlicher Musterprozess in Aussicht gestellt, allein um den Rechtscharakter ihrer Ansprüche zu prüfen. Jeder kann sich selbst ausmalen, wie lange dies dauern und mit welch erheblichen Kosten dies verbunden sein kann. Ist dies seriös?

Weiter erfährt man als Magellan-Anleger: „ … dass die Containermieten, die gegenüber Reedereien abgerechnet werden, deutlich unter den Garantiezahlungen liegen, die Ihnen von Seiten der MAGELLAN Maritime Services GmbH in den Investorenverträgen zugesagt wurden.“ Mithin erweist sich die angepriesene Anlageform des „Direktinvestments“ in Container als Probleminvestment und als Risiko. Es wird sich zeigen, ob auch andere Wettbewerber im Bereich des „Direktinvestment“ in Container in Probleme kommen werden.

So weit, so schlecht! Können Magellan-Anleger denn gar nichts tun?

Immerhin wird angekündigt, dass voraussichtlich am 01. September 2016 das Insolvenzgericht Hamburg das Insolvenzverfahren eröffnen wird. Hier haben die Magellan-Anleger entscheidenden Einfluss, da ihre Forderungen 90 % der Gesamtforderungen ausmachen. Dies bedeutet, dass die Magellan-Anleger auf der Magellan-Gläubigerversammlung Mitte Oktober 2016 einen entscheidenden Einfluss ausüben können. Peter-Alexander Borchardt wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt und muss auf der ersten Gläubigerversammlung bestätigt werden. Ob dies der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Oder wählen die Insolvenzgläubiger doch einen anderen Insolvenzverwalter? Die Magellan-Anleger sollten ihren Einfluss nicht unterschätzen!

Magellan-Anleger werden sich nun immer wieder die Frage stellen, welche Schritte als nächstes zu tun sind. Will man unfreiwilliger Insolvenzgläubiger sein oder kann man seine Rechtsposition doch noch verbessern?

Die Magellan-Anleger sind die Eigentümer der Container. Auch der Insolvenzverwalter schließt ein mögliches Sonderkündigungsrecht der Anleger im Insolvenzfall nicht aus. Nun wird in Erwägung gezogen, dass Magellan-Anleger die Herausgabe der Container vom Insolvenzverwalter verlangen könnten. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Kauf-, Verwaltungs- und Rückkaufverträge der Magellan nur begrenzt fungibel sind und ein geregelter Zweitmarkt für diese Verträge nicht existiert. Mithin könnten mit dieser Handlungsoption erhebliche praktische Schwierigkeiten bei der Umsetzung verbunden sein.

Sind die Container-Investments über Anlageberater vertrieben worden, so kommen nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auf die Anlageberater erhebliche Informations- und Aufklärungspflichten zu. Anlageberater müssen die Anleger dabei über ausführlich und verständlich über die bestehenden Risiken aufklären. Kommen sie dieser Pflicht nicht nach, machen sie sich schadensersatzpflichtig.

Magellan-Anleger könnten auch in Erwägung ziehen, ob die Möglichkeit besteht, den Kaufvertrag zu widerrufen und eine Rückabwicklung vorzunehmen. Bei Transaktionen über das Internet ist dies möglich. Möglicherweise fehlerhafte Widerrufsbelehrungen eröffnen die Möglichkeit, den Kaufvertrag im Nachhinein zu widerrufen.

Wie geht es weiter mit der Magellan-Insolvenz? Kann der Satz aus dem Magellan-Schreiben: „Auch ist ein Totalverlust Ihres Investments derzeit nicht zu befürchten.“ wirklich beruhigen? Was bedeutet „derzeit“ in diesem Zusammenhang?

Die Magellan-Anleger sind jetzt mit einer Vielzahl von brennenden Fragen konfrontiert. Was passiert, wenn sich herausstellt, dass die Magellan Maritime Services GmbH (MMS) pleite ist und das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird? Welche Rolle spielt der Insolvenzverwalter? Wie kann ich meine Insolvenzforderung anmelden? Wo sind meine Container tatsächlich? Fallen die Mietforderungen tatsächlich in die Insolvenzmasse? Muss ich mich auf einen Musterprozess einlassen? Wer kommt als Haftungsadressat noch in Frage? Haften die Initiatoren mit ihrem Privatvermögen? Müssen die Anlageberater und Vermittler Schadensersatz leisten? Kann ich meinen Kaufvertrag widerrufen? Fragen über Fragen?

Die Anleger sollten schnell handeln und ihre Ansprüche prüfen lassen!

 

PS: Als besonderen bieten wir Ihnen an, eine Ersteinschätzung Ihres Falles vornehmen zu lassen. Diese Ersteinschätzung ist kostenlos. Sie erfahren, ob Sie Erfolgsaussichten haben und wenn ja, welche Kosten Ihnen gerichtlich bzw. außergerichtlich entstehen würden. Wenn Sie an der Ersteinschätzung Interesse haben, füllen Sie bitte den Fragebogen aus.