KTG Agrar-News! – Spannende Gläubigerversammlung am 06.10.2016!

Können KTG-Anleger ihr Geld noch retten?

Nun war es endlich soweit! An einem trüben Oktobertag hatten sich mehrere Hundert KTG-Anleger im Hamburger CCH-Congress Center zur Gläubigerversammlung der Firma KTG Agrar SE eingefunden, um endlich Klarheit über die wirtschaftliche Lage der Firma zu erhalten.

KTG-Anleger und jetzt KTG-Gläubiger in einem Insolvenzverfahren, wie konnte es dazu kommen? Blicken wir kurz zurück in die Vergangenheit!

Durch den KTG-Agrar-Boss Siegfried H. wurde das große Rad gedreht und ein landwirtschaftliches Produktionsunternehmen aufgebaut, das sich der Erzeugung von Agrarrohstoffen, erneuerbaren Energien und Lebensmitteln widmete. Seit 2007 sind die KTG-Aktien sogar an der Börse notiert und im Rating der Agenturen.

Zur weiteren Expansion wurden Millionen bei ca. 10.000 Anlegern eingeworben, die mit sog. Mittelstandsanleihen mit hohen Renditeversprechen gelockt wurden. Im Einzelnen wurden folgende Anleihen emittiert:

 

• „KTG Biowertpapier II“: 7,125 % Anleihe 2011/2017 in Höhe von bis zu insgesamt nominal

250 Mio. EUR (ISIN: DE000A1H3VN9, WKN: A1H3VN)

• „KTG Biowertpapier III“: 7,25 % Anleihe 2014/2019 in Höhe von bis zu insgesamt nominal 92

Mio. EUR (ISIN: DE000A11QGQ1, WKN: A11QGQ)

Obwohl immer wieder über Ungereimtheiten und Schwierigkeiten im Agrarkonzern KTG Agrar SE berichtete wurde, häuften sich die Probleme Mitte des Jahres 2016 massiv und es wurde von der Firma ein Antrag auf Eigeninsolvenz (Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung) gestellt.

Zu guter Letzt hatten sogar die Wirtschaftsprüfer ihre Bestätigungsvermerke für die Bilanz des Geschäftsjahrs 2015 zurückgezogen.

Das Insolvenzverfahren wird am Amtsgericht Hamburg unter dem Aktenzeichen 67g IN 266/16 geführt.

Im sog. Berichtstermin am 06.10.2016 erhielten die KTG-Gläubiger Informationen über den wirtschaftlichen Zustand der KTG Agrar SE und den weiteren Fortgang des Verfahrens.

Für die KTG-Gläubiger war es schon erschreckend zu hören, dass die KTG-Firmengruppe extrem verschachtelt aufgebaut war und eine Vielzahl von Firmen im In- und Ausland aufweist. Allerdings sind mit dieser komplexen Firmenstruktur keine adäquaten Finanz- und Controlling-Systeme installiert worden.

Vielmehr hätten die Verantwortlichen ihre Sorgfaltspflichten ordnungsgemäßer Unternehmensführung nicht ausreichend wahrgenommen und im Übrigen sei die Firmenstruktur ohnehin auf den früheren KTG Agrar-Boss Siegfried H. zugeschnitten gewesen. Mithin war er der Entscheider im KTG Agrar-Konzern. Bezeichnend ist auch die Charakterisierung des Insolvenzverwalters, der das Verhalten von Siegfried H. als eine „Mischung aus Unfähigkeit und Großmannssucht“ bezeichnete. Damit korrespondiert sicher auch die Attitüde, sich mit Hilfe eines Helikopters transportieren zu lassen.

Dass dies auch für die Gelder der Anleihegläubiger abträglich war, kann sich jeder vorstellen. Bei vielen der Unternehmen im KTG-Firmenverbund ist es zu massiven Liquiditätsproblemen gekommen, so dass vielfach gar nicht mehr ordnungsgemäß gewirtschaftet werden konnte. Teileweise wurden große Flächen verkauft und dann wieder zurückgepachtet und damit der Substanzwert des Agrarkonzerns gemindert.

Mithin sei eine langwierige Sanierung der KTG Agrar SE nicht realisierbar gewesen. Vielmehr sei nur eine schnelle Veräußerung an die Gustav Zech Stiftung zur Schadensminderung möglich gewesen.

Gleichwohl stehen trotz des Verkaufs der KTG-Unternehmensbeteiligungen Verbindlichkeiten der KTG Agrar SE in Höhe von 445 Millionen Euro aller Voraussicht nach nur eine Masse in Höhe von ca. 47 Millionen Euro gegenüber.

Der Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus widmet sich nunmehr noch dem Verkauf der verbliebenen KTG-Unternehmensbeteiligungen in Deutschland, Rumänien und Litauen.

Im Übrigen soll die Insolvenzmasse auch noch durch die Geltendmachung von Organhaftungsansprüchen gegen die früheren Verantwortlichen angereichert werden. Ebenso sollen sog. D&O-Versicherungen in Anspruch genommen werden. Dabei handelt es sich um Organ- oder Managerhaftpflichtversicherungen, die als Vermögensschadenshaftpflichtversicherung, von einem Unternehmen für seine Organe (z.B. Geschäftsführer oder Vorstände) und leitenden Mitarbeiter abschließt.

Schlussendlich wurde auch dem Antrag des Insolvenzverwalters zugestimmt, dass ein Delisting der Aktie (ISIN DE000A0DN1J4) und der Anleihen (ISIN DE000A1H3VN9 und DE000A11QGQ1) der KTG Agrar SE vom geregelten Freiverkehr an der Frankfurter Wertpapierbörse zum 31.12.2016 durchgeführt wird.

Ebenso hat die KTG-Gläubigerversammlung einen fünfköpfigen Gläubigerausschuss gewählt und der Stilllegung des Unternehmens zugestimmt.

Zu den mehr als 10.000 KTG-Gläubigern gehören vor allem die KTG-Anleihegläubiger, die nominal 342 Millionen Euro investiert hatten. Was kann man jetzt als KTG-Anleihegläubiger noch tun?

KTG-Anleger sind weiter mit einer Vielzahl von brennenden Fragen konfrontiert. Was passiert, wenn die KTG Agrar SE im Insolvenzverfahren ist? Welche Rolle spielt der Insolvenzverwalter bzw. Sachwalter? Wie kann ich meine Insolvenzforderung anmelden? Spielt es eine Rolle, ob ich meine Anleihe gekündigt habe? Sollte ein gemeinsamer Vertreter bestellt werden? Welche Rolle spielen die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die KTG-Verantwortlichen für mich? Wer kommt als Haftungsadressat noch in Frage? Haften die Initiatoren mit ihrem Privatvermögen? Müssen die Vermittler Schadensersatz leisten? Haften die Wirtschaftsprüfer? Fragen über Fragen?

Die Anleger sollten schnell handeln und ihre Ansprüche prüfen lassen.

 

PS: Um Rechtssicherheit zu erhalten, bieten wir Ihnen an, eine Ersteinschätzung Ihres Falles vornehmen zu lassen. Diese Ersteinschätzung ist, in Erfüllung unserer satzungsgemäßen Aufgaben, kostenlos. Sie erfahren, ob Sie Erfolgsaussichten haben und wenn ja, welche Kosten Ihnen gerichtlich bzw. außergerichtlich entstehen würden. Wenn Sie an der Ersteinschätzung Interesse haben, füllen Sie bitte den  Fragebogen aus. Sie erhalten damit eine Entscheidungsgrundlage!