KTG Agrar-News! – Insiderinformation: Wirtschaftsprüfer müssen Bestätigungsvermerke für Jahres- und Konzernabschluss 2015 widerrufen!

Bekanntlicherweise wurden zur weiteren Expansion von der KTG Agrar SE (ISIN: DE000A0DN1J4) Millionen bei ca. 10.000 Anlegern eingeworben, die mit sog. Mittelstandsanleihen mit hohen Renditeversprechen gelockt wurden. Im Einzelnen wurden folgende Anleihen emittiert:

KTG Agrar-News! – Insiderinformation: Wirtschaftsprüfer müssen Bestätigungsvermerke für Jahres- und Konzernabschluss 2015 widerrufen!
KTG Agrar-News! – Insiderinformation: Wirtschaftsprüfer müssen Bestätigungsvermerke für Jahres- und Konzernabschluss 2015 widerrufen!

• „KTG Biowertpapier II“: 7,125 % Anleihe 2011/2017 in Höhe von bis zu insgesamt nominal
250 Mio. EUR (ISIN: DE000A1H3VN9, WKN: A1H3VN)
• „KTG Biowertpapier III“: 7,25 % Anleihe 2014/2019 in Höhe von bis zu insgesamt nominal 92
Mio. EUR (ISIN: DE000A11QGQ1, WKN: A11QGQ)


Noch im Mai 2016 hatten die Wirtschaftsprüfer der MÖHRLE HAPP LUTHER GmbH den Bestätigungsvermerk für den Jahresabschluss 2015 erteilt, der mit den launigen Motto: „Ackern fürs Leben.“ überschrieben war. Durch die KTG-Gruppe wurde den Lesern versichert: „Wir tun, was richtig ist, und wissen, was wichtig wird.“

Es ist sicher hilfreich, sich noch einmal genau zu vergewissern, was im Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers, der MÖHRLE HAPP LUTHER GmbH (Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) vom 12.05.2016 auszugsweise so steht:

„ … Wir haben unsere Konzernabschlussprüfung nach § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung vorgenommen. Danach ist die Prüfung so zu planen und durchzuführen, dass Unrichtigkeiten und Verstöße, die sich auf die Darstellung des durch den Konzernabschluss unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und durch den Konzernlagebericht vermittelten Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich auswirken, mit hinreichender Sicherheit erkannt werden. … Wir sind der Auffassung, dass unsere Prüfung eine hinreichend sichere Grundlage für unsere Beurteilung bildet. … Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt. Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse entspricht der Konzernabschluss den gesetzlichen Vorschriften und vermittelt unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns. Der Konzernlagebericht steht in Einklang mit dem Konzernabschluss, vermittelt insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.“

Das klingt doch alles sehr vertrauenserweckend und hat sicher den einen oder anderen KTG-Anleger beruhigt.

Dann aber der Paukenschlag! Im Juli 2016 wurden die KTG-Anleihe-Gläubiger geschockt von der Nachricht, dass ein Antrag auf Eigeninsolvenz von der KTG Agrar SE gestellt wurde. Das Insolvenzgericht Hamburg bestellte Rechtsanwalt Denkhaus als vorläufigen Sachwalter und beauftragte ihn zu prüfen, ob ein Eröffnungsgrund für ein Insolvenzverfahren und ob Aussichten zur Unternehmensfortführung vorliegen. Mithin sind auch Millionen von Anlegergeldern von der Insolvenz betroffen und die Anleihe-Gläubiger warteten auf News vom vorläufigen Sachwalter Denkhaus.


Am 01.09.2016 wurde nun vom Insolvenzgericht Hamburg unter dem Aktenzeichen 67g IN 266/16 wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren der KTG Agrar SE eröffnet und die Eigenverwaltung angeordnet und Rechtsanwalt Denkhaus als Sachwalter bestellt.

Die Nachrichten sind für Anleihegläubiger allerdings dramatisch. So soll Abschreibungsbedarf auf Beteiligungen und Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe bestehen und ebenso Millionen-Wertberichtigungsbedarf auf Forderungen gegen Dritte. Ebenso soll die KTG Agrar SE in dreistelliger Millionenhöhe überschuldet sein.

Hier kann sich jeder KTG-Anleihe-Gläubiger vorstellen, wie die Insolvenzquote wohl ausfallen wird.

So weit, so schlecht! Nun kommt aber schon der nächste Paukenschlag! Die KTG Agrar SE veröffentlicht am 08.09.2016 eine sog. Insiderinformation gemäß Artikel 17 MAR. MAR bedeutet Market Abuse Regulation und es handelt es sich dabei um die sog. Marktmissbrauchsverordnung der EU.

„Die KTG Agrar SE (ISIN: DE000A0DN1J4) gibt bekannt, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft MÖHRLE HAPP LUTHER GmbH die Bestätigungsvermerke für den Jahresabschluss sowie den sowie den Konzernabschluss zum 31. Dezember 2015 der KTG Agrar SE widerrufen hat. Der Widerruf wird damit begründet, dass der Rechtsschein der Werthaltigkeit von Vermögensgegenständen zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestätigungsvermerkes am 12. Mai 2016 und damit vor Einleitung eines Insolvenzverfahrens beseitigt werden solle.“

Mithin wird eingestanden, dass die testierte Werthaltigkeit von Vermögensgegenständen der KTG nicht gegeben ist. Warum allerdings die Wirtschaftsprüfer zuerst die Bestätigungsvermerke erteilt haben und diese dann später widerrufen mussten, wird noch aufzuklären sein. Es wird weiter zu prüfen sein, ob auch die Wirtschaftsprüfer als Haftungsadressaten der KTG-Anleger in Anspruch genommen werden können.

Von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hamburg gegen den KTG-Agrar-Boss und vier seiner Manager haben wir schon berichtet und wir würden uns nicht wundern, wenn die Jahres- und Konzernabschlüsse der KTG Agrar SE in der Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen mit besonderer Aufmerksamkeit geprüft werden. Mal sehen, ob hier weitere Kapitel eines Wirtschaftskrimis geschrieben werden.

Gleichwohl sind die Anleger weiter mit einer Vielzahl von brennenden Fragen konfrontiert. Was passiert, wenn sich herausstellt, dass die KTG Agrar SE pleite ist und das Insolvenzverfahren eröffnet wird? Welche Rolle spielt der Insolvenzverwalter bzw. Sachwalter? Wie kann ich meine Insolvenzforderung anmelden? Spielt es eine Rolle, ob ich meine Anleihe gekündigt habe? Sollte ein gemeinsamer Vertreter bestellt werden? Welche Rolle spielen die strafrechtlichen Ermittlungen für mich? Wer kommt als Haftungsadressat noch in Frage? Haften die Initiatoren mit ihrem Privatvermögen? Müssen die Vermittler Schadensersatz leisten? Haften die Wirtschaftsprüfer? Fragen über Fragen?


Die Anleger sollten schnell handeln und ihre Ansprüche prüfen lassen.

PS: Um Rechtssicherheit zu erhalten, bieten wir Ihnen an, eine Ersteinschätzung Ihres Falles vornehmen zu lassen. Diese Ersteinschätzung ist, in Erfüllung unserer satzungsgemäßen Aufgaben, kostenlos. Sie erfahren, ob Sie Erfolgsaussichten haben und wenn ja, welche Kosten Ihnen gerichtlich bzw. außergerichtlich entstehen würden. Wenn Sie an der Ersteinschätzung Interesse haben, füllen Sie bitte den Fragebogen aus.