Grüezi-Schrottimmobilien-Prozess, 78. Verhandlungstag

Fortsetzung Zeugenvernehmung einer Immobilienkäuferin

Am 03.11.2016 hatten sich die Verfahrensbeteiligten auch wieder im Verhandlungssaal 700 zum nunmehr 78. Verhandlungstag eingefunden.

Auch diesmal wurden Selbstleseverfahren abgeschlossen und neue ausgelöst, um zukünftige Zeugenvernehmungen effektiv vorzubereiten und alle Beteiligten auf den gleichen Kenntnisstand zu den Verfahrensakten und Beweismitteln zu bringen.

Und schon wurde das Beweisprogramm mit einer Zeugenvernehmung einer Immobilienkäuferin fortgesetzt. Die Zeugin wurde in der Vergangenheit auch schon vernommen.

Ein Beweisthema ist immer wieder die Frage, aus welchem Grunde und mit welcher Motivation die Zeugen die Immobilien erworben haben.

Dies war auch hier der Fall. So wollte die Zeugin zusammen mit ihrem Partner als Miteigentümer der Immobilie regelmäßige Einnahmen erzielen, wobei ihre monatliche Belastung nicht mehr als 100 Euro betragen sollte. Im Übrigen sollten auch alte Verbindlichkeiten abgelöst werden. Nach 10 bis 15 Jahren sollte die Immobilie dann mit Gewinn verkauft werden.

Und wie sah es nach Angaben der Zeugin tatsächlich aus? Auch hier wurde wieder ein größere Summe auf das Konto der potentiellen Erwerber eingezahlt, nach kurzer Zeit aber wieder abgehoben und vom Vertriebsmitarbeiter Peter S. wieder mitgenommen. Die alten Verbindlichkeiten wurden dabei nicht abgelöst. Der Vertriebsmitarbeiter ging auch mit zum Notartermin und schärfte den Zeugen ein, dem Notar zu bestätigen, das die 14-Tagesfrist eingehalten wurde.

Thematisiert wurden auch Angaben in den Kreditunterlagen. Hier fand sich der Vermerk einer angeblich geplanten Eigennutzung, obwohl die Zeugin und ihr Partner nicht die Absicht hatten, die Wohnung selber zu nutzen, sondern vielmehr Mieteinnahmen erzielen wollten. Wie es zu dieser fälschlichen Angabe in den Kreditunterlagen kam, konnte nicht genau aufgeklärt werden, gleichwohl ist dieses Phänomen auch aus anderen Zeugenaussagen bekannt.

Im Nachgang merkten die Immobilienkäufer, dass die monatliche Belastung erheblich höher war, als ihnen versprochen wurde. Durch den Vertriebsmitarbeiter erhielten sie im Nachgang mehrfach weitere Zahlungen, mutmaßlich, um ihren Verpflichtungen aus dem Wohnungskauf weiter nachkommen zu können.

Später allerdings ist der Mieter der Wohnung ausgezogen und die Zeugin hatte erstmals die Gelegenheit die Wohnung zu besichtigen. Die Wohnung kam der Zeugin leer und dreckig vor und in Wohnzimmer und Bad entdeckte sie Schimmel. So hatte sie sich ihre Immobilie sicher nicht vorgestellt.

Auch ein Makler, den die Zeugin später einschaltete, kam zu einem geringeren Wert der Wohnung im Rahmen der Begutachtung.

Im Nachgang beschwerte sich die Zeugin bei der Hausverwalterin, die übrigens auch schon als Zeugin in diesem Verfahren gehört wurde. Die Hausverwalterin empfahl den Gang zum Rechtsanwalt.

Das Gericht schloss seine Zeugenvernehmung vorerst ab und übergab das Fragerecht an die Staatsanwaltschaft, die allerdings erklärte, aufgrund ihres umfangreichen Fragebedarfs noch Vorbereitungszeit zu benötigen.

Da auch die Verteidiger aller Voraussicht nach noch Fragen an die Zeugin haben werden, ist damit zu rechnen, dass die junge Mutter zum wiederholten Male im Strafgerichtssaal 700 als Zeugin erscheinen muss.

 

Die Sitzung wird am 21.11.2016 um 9:15 Uhr im Saal 700 fortgesetzt und wir werden den Kriminalfall weiter im Auge behalten.