Grüezi-Schrottimmobilien-Prozess, 28. Verhandlungstag

Stand: 04.11.2015

Grüezi-Schrottimmobilien-Prozess (28. Verhandlungstag)! – Eine dubiose Zeugin (Teil 2)! – Überraschungsgast sorgt für Klarheit!

 

Auch am Verhandlungstag 28 fanden sich alle Verfahrensbeteiligten wieder im Schwurgerichtssaal 700 des Kriminalgerichts Moabit ein und schon konnte die Hauptverhandlung mit einem vollen Programm fortgesetzt werden.

Hierbei wurde die Vernehmung einer Zeugin fortgesetzt, die schon am 25. Verhandlungstag gehört wurde. Die Ex-Mitarbeiterin berichtete in der damaligen Verhandlung, von ihrer Außendiensttätigkeit. Auch sie musste auf der Basis von Gewinnspielkarten mit potentiellen Kunden telefonieren und sollte diese mit einem Leitfaden davon überzeugen, sich mit dem mutmaßlichen „Steuersparmodell“ zu beschäftigen. Nach ca. sechs Monaten empfand sie ihre Tätigkeit als faule Sache und beendete ihre Arbeit im Vertrieb.

Vom Vorsitzenden der Strafkammer wurde ihr damals auch vorgehalten, das sie bei der Polizei andere Aussagen gemacht hätte.

Bereits am 25. Verhandlungstag wurde sie vom Vorsitzenden gefragt, ob sie im Nachgang Kontakt mit Rechtsanwälten gehabt hätte. Darauf erzählte sie eine abenteuerliche Geschichte, konnte aber weder eine genaue Anschrift benennen, noch erinnerte sie sich an beteiligte Personen. Auch per Internet präsentierte Fotos von verschiedenen Rechtsanwälten frischten ihre Erinnerung nicht auf. Lediglich eine kleine Wohnzimmerkanzlei am Kurfürstendamm erwähnte sie vage. Dies half, allerdings trotz aller Bemühungen, der Strafkammer auch nicht weiter. Vielmehr verwickelte sich die Zeugin im Verlauf der weiteren Befragung immer mehr in Widersprüche. Auch die eindringlichen, teilweise polemischen Fragen der Verteidiger ließen die Zeugin immer unglaubwürdiger erscheinen.

Im Zuge der Vernehmung der Zeugin erschien zur Überraschung der Verfahrensbeteiligten ein Rechtsanwalt im Saal, dessen Name vom Gericht immer wieder am 25. Verhandlungstag bei der Vernehmung der Zeugin erwähnt wurde, den sie aber nicht kannte und ihn auch auf einem Foto im Internet nicht identifizieren konnte. Der Vorsitzende nutzte die Gelegenheit und fragte die Zeugin, ob sie diesen Rechtsanwalt kennen würde. Die Zeugin antwortete: „Nein, den habe ich noch nie gesehen.“ Und so konnte sich auch die Strafkammer davon überzeugen, dass der erschienene Rechtsanwalt nichts mit der abenteuerlichen Geschichte der Zeugin zu tun hat.

Nachdem dies geklärt war, wurde der Zeugin im Internet die Ansicht eines Berliner Hauses gezeigt, dessen Eingangsbereich sie wiedererkannte. Hier gab es aber keinerlei Verbindungen zum erschienenen Rechtsanwalt, was noch einmal bestätigte, dass die Zeugin ihn nicht kannte.

Nach einer weiteren Befragung durch die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger wurde die Zeugin unvereidigt entlassen.

Auch ein weiterer Zeuge des Verhandlungstages wurde schon einmal in der Hauptverhandlung gehört und neuerlich geladen. Dabei war dem Vorsitzenden Richter aufgefallen, dass der Zeuge sich mit einem Angeklagten vor einem Gemüseladen gegenüber dem Gerichtsgebäude unterhielt und wollte wissen, was die beiden miteinander besprochen hätten. Der Zeuge gab ausweichende Antworten, so dass er nach § 55 Strafprozessordnung (StPO) belehrt werden musste.

Nach einer längeren Verhandlungspause wurde eine weitere Zeugin vernommen. Sie war als Buchhalterin in der Firma eines der Angeklagten tätig. Auch sie äußerte sich zu Art und Umfang ihrer Arbeiten und von wem sie Weisungen erhalten hatte. Sie hat u.a. auch Darlehensverträge bearbeitet. Die Zeugin wurde später unvereidigt entlassen.

Zum Abschluss der Verhandlung gab der Vorsitzende Richter bekannt, dass der Haftverschonungsbeschluss von Marian B. abgeändert wird. Die Sicherheitsleistungen für Roman D. wurden antragsgemäß reduziert und er erhielt seinen Personalausweis zurück. Allerdings bleibt der Reisepass weiter beschlagnahmt.

Die Sitzung wird am 02.11.2015 um 9:15 Uhr im Saal 700 fortgesetzt und wir werden weiter berichten.