Grüezi-Schrottimmobilien-Prozess, 23. Verhandlungstag

Stand: 07.09.2015

Grüezi-Schrottimmobilien-Prozess (23. Verhandlungstag)! – Volles Beweisprogramm – vier Zeugen!

Verhandlungstag 23 und alle Verfahrensbeteiligten hatten sich wieder pünktlich am 03.09.2015 im Schwurgerichtssaal 700 eingefunden.

Anfangs hatte die Mikrofonanlage des Saals wieder ihre Macken, so dass unter widrigen akustischen Bedingungen verhandelt werden musste. Gern wird dann darauf verwiesen, dass das Gerichtsgebäude von 1906 stammt und man manchmal mit gewissen Einschränkungen zu kämpfen habe.

Durch den Vorsitzenden der Strafkammer wurden schon für 2016 diverse Verhandlungstermine bekanntgegeben, damit sich die Verfahrensbeteiligten darauf einstellen können.

Auf dem Beweisprogramm der Kammer standen an diesem Tage vier Zeugenvernehmungen.

Zeugin Nr. 1 war eine ehemalige Notarfachangestellte, die ein Jahr im Außendienst der Firma correcta pro tätig war. Sie bezeichnete die Firma als „Personalschleuder“ und dass es dort zuging wie im „Bienenstock“. Die Mitarbeiter wechselten sehr häufig. Marian B. charakterisierte sie als Chef der Firma, Rene P. war der Abteilungsleiter und Katja R. für die finanztechnische Abwicklung zuständig. Die Zeugin wurde vorab mit bereits vorhandenen Leitfäden, u.a. von Rene P. ausgebildet und musste dann diverse Telefonate führen, um Kunden im Wege der sog. Kaltakquise mit dem Vorwand eines Steuersparmodells zu ködern. Dabei hielt sie sich an einem Tag der Woche im Büro auf, um zu telefonieren und den Rest der Zeit verbrachte sie im Außendienst. Sie sollte für die Kundengewinnung bei späteren Immobilienverkäufen eine Verkaufsprovision erhalten. Allerdings machte auch sie die Erfahrung, dass nur sehr stockend und nicht vollständig gezahlt wurde. Nach ca. einem Jahr hat sie die Firma aus moralischen Gründen verlassen, da sie die Kaltakquise als Form der Kundengewinnung nicht mehr durchführen wollte.

Zeugin Nr. 2 war eine Hausverwalterin, die bereits als Zeugin gehört wurde und deren Vernehmung noch beendet werden musste. Die Hausverwalterin berichtete auf Nachfragen der Staatsanwaltschaft, dass Sonderkonten angelegt wurden, aus denen u.a. Mietzuschüsse bzw. bei Mietausfall auch die ganze Miete gezahlt wurde. Bei einem Objekt war das Dach schadhaft, so dass die Praka von der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) verpflichtet wurde, diese Schäden auf eigene Kosten und ohne Belastungen für die WEG zu beheben. Aufschlussreich waren auch die Aussagen der Zeugin, wer wann die Praka vertreten hat und wie mit der Firma kommuniziert wurde.

Zeuge Nr. 3 war ein junger Mann, der seinerzeit kurz im Außendienst der Firma correcta pro und später im Promotionteam arbeitete. Auch er erhielt die üblichen Schulungen durch Marian B. und Rene P. und ging kurz in den Außendienst, wurde aber dann aufgrund seiner sprachlichen Einschränkungen ins Promotionteam versetzt. Dort beteiligte er sich an der Organisation von Gewinnspielen und von Umfragen. Dies geschah immer mit dem Ziel möglichst viele Antwortkarten mit persönlichen Angaben der Teilnehmer und besonders wichtig, der Telefonnummer zu erhalten. Diese wurden später dazu benutzt, Werbeanrufe zu starten. Der Zeuge sagte auch aus, dass er um Teile seines Entgeltes geprellt wurde und dann nach wenigen Monaten die Firma wieder verlassen habe.

Zeugin Nr. 4 war eine junge Frau, die schon in verschiedenen Berufsfeldern tätig war und auch über Erfahrungen im Promotionsbusiness verfügte. Sie kam über eine Annonce zu correcta pro und war ebenfalls kurz im Außendienst tätig, bevor man ihre Talente erkannte und sie ins Promotionteam versetzte. Dort war sie anfangs überaus engagiert tätig und organisierte die Teilnahme der Firma an Messen, Volksfesten und anderen Events. An eigens angemieteten Ständen wurden Gewinnspiele veranstaltete, Umfragen durchgeführt und der Erstkontakt zu potentiellen Kunden gesucht. Je mehr Gewinnkarten mit persönlichen Daten eingesammelt werden konnten, umso höher sollte die Vergütung der Promotoren sein. Leider musste die Zeugin im Laufe der Zeit feststellen, dass die Bezahlung der Rechnungen durch die Firma verschleppt und sie mit Ausreden, auch von Katja R., hingehalten wurde. Später ging es gar soweit, dass sie erhebliche Ausgaben vorfinanzieren musste. Sie engagierte Promotionmitarbeiter bei einer anderen Agentur, um Werbeveranstaltungen durchführen zu können und blieb dann auf den Kosten sitzen. Einigungsversuche scheiterten und sie war aufgrund dieser Ereignisse in ihrer Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigt und zahlt auch heute noch, die dabei aufgelaufenen Schulden ab. Dies ist auch wieder ein interessantes Beispiel dafür, mit welchen dubiosen Methoden gutgläubige Mitarbeiter instrumentalisiert und häufig ohne angemessene Vergütung wieder auf die Straße gesetzt wurden. Trotz ihrer schlechten Erfahrungen schilderte die Zeugin ihre Erfahrungen erstaunlich gelassen und um Objektivität bemüht. Sie charakterisierte dabei auch die Angeklagte Katja R. als sachlich und Marian B. als „emotionsflexibel“. Ihre damaligen Erlebnisse mit diesen beiden Angeklagten waren sicher auch für die anwesenden Gutachterinnen und sicher auch die Strafkammer äußerst aufschlussreich.

Zu Beginn der Sitzung hatten die Verteidiger von Roman D. noch beantragt, die Meldeauflagen aus dem Haftverschonungsbeschluss abzumildern und ihm zeitweise wieder seinen Personalausweis auszuhändigen, damit er in den kommenden sitzungsfreien Wochen einen Erholungsurlaub auf Mallorca absolvieren könne. Dieser Antrag wurde von der Strafkammer positiv beschieden, so dass dem Urlaub auf Mallorca nichts mehr im Wege steht.

Die Sitzung wird am 07.09.2015 um 9:15 Uhr im Saal 700 fortgesetzt und wir werden weiter berichten.