Grüezi-Schrottimmobilien-Prozess, 15. Verhandlungstag

Stand: 14.07.2015

Grüezi-Schrottimmobilien-Prozess (15. Verhandlungstag)! – Verräterische E-Mails und SMS als Beweismittel!

Nachdem in der letzten Woche aufgrund der umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin und der Polizeibehörden wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in acht Bundesländern Durchsuchungsbeschlüsse gegen acht andere Beschuldigte (auch wieder ein Notar) der Schrottimmobilienszene erfolgreich vollstreckt wurden, ging am heutigen Tage die strafrechtliche Aufarbeitung des Grüezi-Schrottimmobilien-Komplexes vor der 26. Großen Strafkammer weiter.

Auch heute wurde zu Beginn der Verhandlung durch das Gericht die Vollständigkeit aller Angeklagten überprüft. Nachdem sich wieder alle Verfahrensbeteiligten im Schwurgerichtssaal 700 des Kriminalgerichts Moabit eingefunden hatten, konnte der Prozess, mit dem 15. Verhandlungstag, fortgesetzt werden.

Der Angeklagte Marian B. erhielt einen neuen Verteidiger, der sich zukünftig auch, der nicht leichten Herausforderung stellen muss, den noch in Untersuchungshaft sitzenden Vertriebsboss zu verteidigen. Man wird sehen, wie er dieser Aufgabe gewachsen ist und im Konzert, seiner zum Teil überaus erfahrenen Kollegen, mitspielen kann.

Bevor die Vernehmung von Katja R. fortgesetzt wurde, musste noch der Verteidiger von Michael K. eine persönliche Erklärung abgeben, in der er sich, zu einem ihm gewährten Darlehen, äußerte. Die Erklärung war schnell verlesen und wurde von der Strafkammer zur Kenntnis genommen.

Nunmehr wurde weiter die Angeklagte Katja R. vom Gericht zu den Tatvorwürfen befragt. Dabei wurden ihr diverse E-Mails, SMS und WhatsApp-Nachrichten als Beweismittel vorgehalten, die im Rahmen der komplexen Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden ausgewertet wurden.

Zwischen einigen Angeklagten fand ein reger Telekommunikationsverkehr statt. Insbesondere wurden per E-Mail oder auch SMS und WhatsApp Details zur Finanzierung der Immobilienkäufe und -verkäufe, den Eigenkapitalnachweisen oder auch Notarterminen ausgetauscht.

Zu Teil wurde auch durch Roman D. Krisenmanagement betrieben, wenn der Verkaufsprozess ins Stocken geriet und beispielsweise die Finanzierung noch nicht gesichert war.

Thematisiert wurde auch wieder die Schlüsselrolle von Marian B. beim Vertrieb, der erheblichen Druck auf Katja R. ausübte und ihr androhte, dass alle in Moabit landen würden. Tragisch natürlich, dass dies später zur bitteren Realität wurde. Ebenso sollten so seine Untergebenen, wie Peter S. und Frank Z. diszipliniert werden.

Zum Teil versuchte Katja R. auch, über Roman D. auf Marian B. einzuwirken. Sie versprach sich davon, dass Roman D. Einfluss auf Marian B. ausüben und dieser sein Verhalten ändern würde.

Es wurde auch thematisiert, dass die finanzierenden Banken, die Kreditauszahlungen im Allgemeinen erst vornahmen, wenn eventuell bestehende Konsumentenkredite vorab getilgt wurden. Diese Fragestellung wird sicher im weiteren Verlauf des Verfahrens noch weiter beleuchtet werden.

Viele Beobachter werden sich auch noch an den Strafprozess gegen den Immobilienbetrüger Kai-Uwe K. erinnern, der mit seinen acht Komplizen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurde und der später vielleicht auch noch als Zeuge gehört werden soll. Interessant war dabei auch die Einschätzung des damaligen Richters, dass ohne die fragwürdige Beteiligung von Notaren und einer Bank die Kriminellen ihr Geschäft nicht hätten aufziehen können.

Weiterhin wurde Katja R. zu ihren damaligen Einkommensverhältnissen befragt. Dabei wurde deutlich, dass Marian B. und sie, meist von ihren Einkünften lebten, da Marian B. offiziell nicht als Geschäftsführer in Erscheinung trat.

Ferner wurde die Rolle weiterer Angeklagter thematisiert. Erstaunlich war dabei die Aussage, dass der Angeklagte Peter S. nur 3 oder 4 Darlehensverträge im Monat abgewickelt haben soll. Gleichwohl wird ihm aber von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, für die gesamte Abwicklung der Erwerberfinanzierung, im Zusammenwirken mit Marian B. verantwortlich zu sein.

Die Aussagen von Katja R. waren teilweise sehr emotional und es war durchaus für die Verfahrensbeteiligten ersichtlich, unter welchem Druck, sie damals gestanden haben muss.

Die ins Verfahren eingeführte E-Mail-, SMS- und WhatsApp-Korrespondenz ist sicher ein wertvolles Beweismittel, um die Beziehungen zwischen den einzelnen Angeklagten näher zu beleuchten.

Persönliche Erklärungen von weiteren Angeklagten sind angekündigt. Der Zeugenplan der Strafkammer für die weiteren Verhandlungstermine steht und die strafrechtliche Aufarbeitung kann fortgesetzt werden.

Die Sitzung wird am 16.07.2015 um 9:15 Uhr im Saal 700 fortgesetzt und wir werden weiter berichten.