Captura GmbH (Inhaberschuldverschreibungen, Nachrangdarlehen u.a.) – Bielefelder Rechtsanwalt im Zwielicht? – Besteht ein Interessenkonflikt?

 

Captura GmbH - Erst Millionen eingesammelt und dann im Insolvenzverfahren. Ein Schock für die Anleger! Der Insolvenzverwalter hat das Kommando übernommen. Das Münchner Insolvenzgericht hat das Insolvenzverfahren eröffnet und Rechtsanwalt Dr. Hubert Ampferl als Insolvenzverwalter bestellt. Das Verfahren läuft beim Amtsgericht München unter dem Aktenzeichen 1507 IN 2731/15.

Viele Captura-Anleger haben sich mittlerweile hilfesuchend an die Schutzgemeinschaft für geschädigte Kapitalanleger e.V. (SGK e.V.) gewandt und Unterlagen übersandt.

Bei Telefonaten mit Captura-Anlegern wurde gesagt, dass Anlageberater immer wieder einen bestimmten Rechtsanwalt aus Bielefeld empfohlen haben. Was mag der Hintergrund sein? Wollen die Anlageberater und Vermittler etwa den Schaden mindern oder was sind ihre wahren Motive?

Sieht man sich die Unterlagen der Captura-Anleger genauer an, so findet man auch Vollmachten des Bielefelder Rechtsanwalts, den die Anlageberater empfohlen hatten. Und was steht in der Vollmacht? Die Anwaltsvollmacht umfasst bezeichnenderweise nicht „die Vertretung gegenüber beispielsweise Beratern oder Vermittlern der Kapitalanlage bzw. Finanzdienstleistern oder Organen der Insolvenzschuldnerin“. Das ist schon sehr beachtenswert. Die Anlageberater empfehlen ihren unglücklichen Captura-Kunden einen Rechtsanwalt, der sich um die Regulierung des Schadensfalls kümmern soll und dieser hat nichts Besseres zu tun, die Prüfung eventueller Schadensersatzansprüche gegenüber Anlageberatern und Vermittlern aus dem Mandatsverhältnis auszuklammern. Ist das seriös? Wie sollen Captura-Anleger dies bewerten?

Dies ist eine gute Gelegenheit für einen kurzen Exkurs. Welchen Inhalt und Umfang hat eigentlich ein Anwaltsvertrag? Im Allgemeinen kommen die Mandanten zu einem Rechtsanwalt und wollen beraten werden. Meist schildern sie dem Rechtsanwalt den Sachverhalt, in mehr oder weniger ausführlicher Form, ohne auch gleich direkt einen Auftrag zu erteilen oder gezielte Fragen zu stellen. Welchen Inhalt und Umfang hat nun das Anwaltsmandat? Dies ist die spannende Frage.

Der Bundesgerichtshof hat in seiner Haftungsrechtsprechung dazu eine bedeutsame Formel entwickelt:

„Wer einen Rechtsanwalt in Anspruch nimmt und dabei nicht zu erkennen gibt, er bedürfe seines Rates nur in einer bestimmten Richtung, will eine allgemeine und möglichst erschöpfende Belehrung über die sachliche Durchführung des erbetenen Rates, über die Gefahr, die das beabsichtigte Geschäft in sich birgt, und über die zur Abwendung von Schadens anzuwendenden Vorsichtsmaßregeln.“

Nimmt man die Formel des Bundesgerichtshofs ernst, so ist davon auszugehen, dass der rechtssuchende Mandat ohne jeden Zweifel eine umfassende Beratung und Belehrung erwartet. Das Mandat soll nicht auf einzelne Fragenstellungen bzw. Ansprüche beschränkt werden. Will der Rechtsanwalt seinen Anwaltsvertrag auf bestimmte Punkte der rechtlichen Prüfung beschränken, muss er den Mandanten ausdrücklich auf Gefahren und mögliche Rechtsverluste hinweisen, wenn er sich nicht selbst in die Haftung begeben will. Im Übrigen gehört zu den „Grundpflichten des Rechtsanwalts“ auch, keine widerstreitenden Interessen zu vertreten und auf eventuelle Interessenkonflikte hinzuweisen. Aus dem Strafrecht kennt man dazu den einprägsamen Begriff der Befangenheit. Und wer befangen ist, darf nicht an dem Strafverfahren teilnehmen. Dies gilt im Übrigen auch für Insolvenzverfahren. Auch hier müssen eventuelle Interessenkollisionen offengelegt werden. Ganz schön viel, was ein verantwortungsvoller Rechtsanwalt bedenken sollte.

Und was macht man nun als leidgeprüfter Captura-Anleger? Will man auf die Prüfung möglicher Schadensersatzansprüche gegenüber Anlageberatern, Vermittler und Vertrieben verzichten? Was ist mit den Initiatoren der Kapitalanlage? Kann man sich vorstellen, dass Captura-Anleger auf die Geltendmachung dieser Ansprüche verzichten und dazu ihr Einverständnis erklären? Fragen über Fragen. Wie lauten wohl die Antworten des Anwalts aus Bielefeld?

Sollen sich die Captura-Anleger etwa mit einer unsicheren Insolvenzquote zufriedengeben? Dabei müssen sie allerdings bedenken, dass bei Unternehmen, die wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung mit Insolvenzverfahren konfrontiert sind, meist nur noch kleine Teile der ursprünglichen Forderung an die Insolvenzgläubiger als Insolvenzquote ausgekehrt werden. Ein Warnzeichen in dieser Richtung könnte auch die Anzeige der Masseunzulänglichkeit durch den Insolvenzverwalter sein. Dies ist allerdings kein Grund zu resignieren!

Spannend ist auch, dass der Bielefelder Rechtsanwalt in seinen Schreiben vor seinen Anwaltskollegen warnt, die Gläubiger im Insolvenzverfahren anschreiben würden. Dies wäre Mandatswerbung. Steht es nicht jedem Captura-Insolvenzgläubiger frei, seine sämtlichen Ansprüche vorbehaltlos prüfen zu lassen und sich nach seinem Wunsch zu organisieren, um seine Interessen durchzusetzen?

Was können nun also die Captura-Anleger jetzt noch tun? Wesentlich aussichtsreicher kann die Möglichkeit sein, Ansprüche gegen die vielfach eingesetzten Vertriebsfirmen zu prüfen. Die Anlageberater der Vertriebsfirmen haben die Pflicht, die Anleger anleger- und anlagegerecht zu beraten. Die Anlageberater müssen über das bestehende Totalverlustrisiko und die mangelnde Eignung von Anleihen und Nachrangdarlehen zur Altersvorsorge aufklären. Wurden die Anleger nicht über die enormen Risiken aufgeklärt, könnten sich daraus Schadensersatzansprüche ergeben.

Die Anleger sollten schnell handeln und ihre Ansprüche prüfen lassen.


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