BWF-Stiftung & Co. – Falschgold-Strafverfahren am Kriminalgericht Moabit!

Urteilsverkündung: Mehrjährige Haftstrafen für vier Angeklagte!

Nun endet der BWF-Strafprozess doch mit einem Paukenschlag! Sechs Jahre für den Hauptangeklagten Gerald S. Gewerbs- und bandenmäßiger Betrug lautete der Vorwurf der Berliner Staatsanwaltschaft.

Auch die Mitangeklagten erhielten mehrjährige Haftstrafen. So die Ehefrau Marion M.-S. eine Haftstrafe von fünf Jahren und fünf Monaten. Detlef B. und Oliver O. wurden jeweils zu fünf Jahren verurteilt.

Schauen wir noch einmal kurz zurück: Schon die Dimensionen des Kriminalfalls waren atemberaubend! Tausende Anleger, tonnenweise Falschgold und verschwundene Millionensummen bildeten den Plot eines Wirtschaftskrimis, der in einem Mammutprozess aufgearbeitet werden sollte.

Über 6.000 Verträge wurden abgeschlossen, bei denen über 50 Millionen Euro bei BWF-Anlegern eingesammelt wurden. Ein Heer von Anlageberatern und Vermittlern kassierte dafür Provisionen in Millionenhöhe. Anleger sollten Gold erwerben, das nach einer vertraglich festgelegten Laufzeit zu einem garantierten Rückkaufkurs wieder ausgeliefert wird. Geworben wurde für verschiedene Produkte, die so poetische Namen wie „Gold Plus“ oder „Gold Standard“ hatten.

Schon im Jahre 2012 ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) misstrauisch geworden und hat das Geschäftsmodell der BWF-Stiftung in Frage gestellt. Genehmigungen für Einlagengeschäfte nach dem Kreditwesengesetz (KWG) lagen nicht vor, so dass der Verdacht einer Straftat nach KWG bestand und Strafanzeige erstattet wurde.

Auch Kunden und Vertriebsmitarbeiter erstatteten Strafanzeigen bei den Ermittlungsbehörden. Nachdem wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges sowie des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz (KWG) 120 Polizeibeamte Durchsuchungsbeschlüsse in Berlin und Köln im Februar 2015 erfolgreich vollstreckt haben, gingen die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) weiter.

Die BaFin verfügte die Rückabwicklung der ungenehmigten Einlagengeschäfte und in der Folge bekamen auch die Insolvenzexperten viel Arbeit. Insolvenzverfahren über das Vermögen des Bund Deutscher Treuhandstiftungen e.V. („BDT e.V.“), der TMS Dienstleistungs GmbH und der Europäische Vereinigung vereidigter Edelmetallberater e.V. (EVVE) wurden eröffnet.

Am 09.06.2016 begann der Strafprozess in Saal 806 im Kriminalgerichts Moabit mit damals noch sechs Angeklagten. Auch ein Rechtsanwalt und ein Wirtschaftsprüfer mussten auf der Anklagebank Platz nehmen. 52 Verhandlungstermine wurden von der 24. Strafkammer unter dem Aktenzeichen 524 KLs 1/16 zu Verhandlungsbeginn angesetzt, um sich der schwierigen Aufgabe der strafrechtlichen Aufarbeitung zu widmen und den schweren Vorwurf des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu prüfen.

Im Rahmen der umfangreichen Beweisaufnahme wurde eine Vielzahl von Zeugen gehört, darunter auch diverse BWF-Anleger. 78 Verhandlungstage wurden schlussendlich absolviert, um die strafrechtlichen Vorwürfe zu prüfen und zu einem gerechten Urteil zu kommen.

Auch wenn sich der Hauptangeklagte zu seiner Person und der Sache geäußert hat, bleibt die magische Frage: Wo ist das Gold? So ist offenkundig der Verbleib von Millionensummen noch ungewiss und bedarf der weiteren Aufklärung.

So sei an dieser Stelle auch noch einmal darauf hingewiesen, dass Gegenstand des Strafverfahrens der BWF-Komplex war. Gleichwohl sind aber auch über die Europäische Vereinigung vereidigter Edelmetallberater e.V. (EVVE) und die TMS Dienstleistungs GmbH Gelder vereinnahmt worden, deren Verbleib die jeweiligen Insolvenzverwalter zu klären haben.

„Und was habe ich davon?“ wird sich jetzt so mancher BWF-Anleger fragen. Der Strafprozess förderte eine Menge von Informationen zu Tage, die BWF-Anlegern auch bei der Durchsetzung ihrer zivilrechtlichen Ansprüche helfen können. Ebenso steht es natürlich den BWF-Anlegern frei, auch die Verurteilten zivilrechtlich in Anspruch zu nehmen und den Rechtsweg zu beschreiten.

Im Übrigen gibt es auch schon viele Urteile, in denen Anlageberater und Vermittler im Komplex BWF zum Schadenersatz verurteilt wurden. Dies ist sicher für viele BWF-Anleger ermutigend, die auch ihre Ansprüche noch geltend machen wollen!

 

Wie geht es weiter? Wir bleiben dran und werden berichten!