BWF-Stiftung & Co. – Schlaglichter vom Falschgold-Strafverfahren am Kriminalgericht Moabit!

Goldbestandsprüfungen am Ende ohne Erfolg!

Die strafrechtliche Aufarbeitung der BWF-Causa ist beim Kriminalgericht Moabit in vollem Gange und wird voraussichtlich noch viele Monate in Anspruch nehmen. Bereits in der Anklageschrift, aber auch in der Beweisaufnahme wurde herausgearbeitet, dass Hunderte Anlageberater und Vermittler mit dem Vertrieb der BWF-Produkte betraut wurden. Diese Beteiligungsmodelle trugen solche Namen, wie „Gold Standard“ oder „Gold Plus“.

Insgesamt wurden an das Heer von Anlageberatern und Vermittlern Provisionen in Millionenhöhe ausgereicht. Über 6.000 Verträge wurden abgeschlossen, bei denen über 50 Millionen Euro bei BWF-Anlegern eingesammelt wurden.

Sicherlich haben sich viele BWF-Anleger und –Vermittler immer wieder die Frage gestellt: Wo ist das Gold? Aus diesem Grunde wurden immer wieder BWF-Vermittler und zum Teil auch ihre Kunden eingeladen, den „versicherten und speziellen Hochsicherheitstresor“ zu besichtigen.

Desgleichen ließen sich die Angeklagten Oliver O. und Detlef B. werbewirksam mit vermeintlichen Goldbarren ablichten.

Ebenso wurden durch den Angeklagten Oliver O. in der Vergangenheit Pressemitteilungen veröffentlicht, in denen über die Bestandskontrollen berichtet wurde. Oliver O. lieferte dem Wirtschaftsprüfer die Datengrundlage und dieser prüfte vor Ort den Bestand an Edelmetallen.

Was dann vom Angeklagten Norbert W., wie folgt bescheinigt wurde: “Auf Grundlage der von mir am 13.03.2014 durchgeführten Bestandsaufnahme bescheinige ich der BWF-Stiftung Berlin, dass der durch Inventur ermittelte Goldbestand zum 13.03.2014 aufgrund zwischenzeitlicher Zukäufe die vom Treuhänder aus der Buchführung zum 28.02.2014 ermittelte Menge übersteigt. Der Inventurbestand laut Bestandsaufnahme konnte durch entsprechende Rückrechnung mit der vom Treuhänder bestätigten Menge abgeglichen werden. Der Goldbestand befand sich in einem gesicherten Tresorraum.” So lautete folgerichtig auch die Überschrift der Pressemitteilung aus dem Jahre 2014: „BWF-Stiftung – Wirtschaftsprüfer Norbert W. bestätigt zum 21.03.2014 erneut Vollständigkeit des Goldbestandes“

Am Ende 2015 wurde im Komplex BWF gar von einem Stresstest und einem Prüfbericht der KPMG berichtet.

Schlussendlich mussten die BWF-Anleger feststellen, dass all die Versprechungen haltlos waren.

Einen interessanten Einblick in die Geschäftsgebaren der Angeklagten lieferte auch der Verhandlungstag am 27.10.2016.

Hier wurden im Rahmen der Beweisaufnahme durch den Vorsitzenden Richter der 24. Großen Strafkammer, diverse Dokumente verlesen. Dabei handelte es sich um Geschäftskorrespondenz, in denen u.a. auch die Überprüfung der Edelmetallbestände thematisiert wurde. So sollten u.a. Gewichtskontrollen stattfinden. Es wurde erwogen die Prüfung in Gegenwart von Zeugen und Mitarbeitern vorzunehmen. Alle drei Monate sollte der Bestand überprüft werden. Der Angeklagte Oliver O. korrespondierte dabei auch mehrfach mit dem Angeklagten Dr. Thomas S., der über den Sachstand informiert wurde und auch bei der Gestaltung entsprechender Verträge mitwirken sollte.

Dieser Schriftwechsel ist ein bezeichnendes Schlaglicht beim Zusammenwirken einzelner Angeklagter im BWF-Komplex. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Erkenntnisse die Beweisaufnahme hier noch liefern wird.

Aufschlussreich sind dabei sicher auch die Geschehnisse im Komplex EVVE der „Europäische Vereinigung vereidigter Edelmetallberater e. V.“, die bekanntermaßen auch in der Insolvenz gelandet ist und vor der BWF-Stiftung auf die Vertriebsschiene gestellt wurde.

Die 24. Strafkammer hat nunmehr schon Verhandlungstermine bis zum April 2017 angesetzt, um sich weiter der schwierigen Aufgabe der strafrechtlichen Aufarbeitung zu widmen und den schweren Vorwurf des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs und anderer Tatvorwürfe zu prüfen.

 

Die Sitzung wird am 03.11.2016 um 10:15 Uhr im Saal 806 fortgesetzt. Wir bleiben dran!