8. Verhandlungstag im Prozess gegen Eupen

Stand: 22.04.2013

Am 8. Verhandlungstag, an diesem 12.04.2013, wird erneut Hartmut Siebrand verhört. Er war einer der „Chefverkäufer“ in der Vertriebsstruktur von Kai Klug.

Siebrand hätte in den Beratungsgesprächen den Prospekt gezeigt. Er hätte darauf hingewiesen, welche Einheit der Kunde erwerben würde und er habe sich dieses in einem Formular bestätigen lassen. Er hätte die Bestätigungsunterlagen für den Kunden gesammelt, über die 14-Tagefrist hätte er immer belehrt. Dass Kunden selbst nach dem Notartermin nicht gewusst hätten, dass sie eine Wohnung gekauft haben, wäre ihnen von den Anwälten eingeredet worden. Er hätte jedenfalls aufgeklärt. Er hätte auch richtig beraten. Wenn allerdings die Angaben in den Prospekten nicht stimmen würden, dann gäbe es natürlich Probleme.

Er würde sich ja als Verkäufer verstehen. Er habe die Selbstauskunfts-Formulare gehabt. Es gäbe ein Raster von der Bank. Wenn der Kunde alle Kriterien erfüllt habe, dann gäbe es einen Kredit. Seine Aufgabe sei, nur zu verkaufen. An den Notarterminen bei Eupen habe er nur 3 bis 5 Mal teilgenommen. Er hätte auch den Widerruf vom Widerruf erklärt. Er sei nämlich zu den Kunden gegangen, die den Widerruf erklärt hatten. Dann habe er die Kunden den Widerruf widerrufen lassen.

Wenn der Kunde aber beim Anwalt gewesen war, dann würde das nicht mehr geklappt haben. Die Idee dazu müsse von Eupen gekommen sein, so schlussfolgert er, denn bei Kai Klug würde es dazu an der Intelligenz fehlen.

Unter fremdem Namen hatte er gearbeitet, weil sein Name „verbrannt“ gewesen ist. Das Gleiche gilt auch für Navratil nach seiner Zeit bei der R+R First Concept.

Eupen hätte auf Abruf bereitgestanden. Wenn der Kunde im Auto saß, wurde angerufen. Man wusste, dass die Beratung bei ihnen, Siebrand, rund 1,5 Stunden dauerte, so wurde die Zeit vorausgeschätzt. Das wäre überall bei allen Vertrieben so gewesen. Manchmal hätten 50 Beurkundungen im Monat stattgefunden. Das wäre auch für die Notare eine Menge Geld.

Die Kunden seien einfach nur gierig. Sie würden selbst ihre Großmutter für 5 Euro verkaufen. Wer würde sonst schon am Ostermontag oder am Geburtstag aus dem Harz nach Berlin kommen. Er versteht sich einfach nur als Verkäufer. Es seien so viele gewesen, dass er sich gar nicht an einzelne erinnern könne. „Das ist so, als würde man Mozzarella bei Tengelmann schneiden“.

Auch sein Schwiegersohn, Kapischke, wäre als Notargänger an Stelle von Dramé eingesetzt worden. Kapischke hatte gesagt, Eupen ist „Harakiri“.  Eupen hätte „vogelwild“ vorgelesen, übersetzt heißt das „unter aller Sau“

Bei ihm, außer beim ersten Mal, hätte Eupen allerdings immer ganz ordentlich beurkundet. Das andere hätte er nur von Kapischke gehört.

Kai Klug hätte sich wie ein Halbgott verehren lassen und seine Leute wie Hunde gehalten. Er könne mit Leuten nichts anfangen, die seine Kinder sein könnten. Er würde sich auch nicht bedrohen lassen, wie es Klug wohl mit anderen gemacht hat.

Dann wird Frau Franke vernommen. Sie war damals Sekretärin, „Mädchen für alles“ im Büro von Kai Klug. Sie hätte die Unterlagen für den Verkauf u. a. von Dramé erhalten und hätte die Notartermine mit dem Büro Eupen vereinbart. Sie hätte auch Bauträgern Bescheid gesagt, dass Kai Klug einen Kunden hätte, der ein Objekt kaufen wollte. Die Kunden mussten unterschreiben, dass die 14-Tagefrist eingehalten worden sei. Sie hätte dann immer 14 Tage oder mehr in das Formular eingetragen. Natürlich sei diese Angabe falsch. Die Notartermine seien auch kurzfristig vereinbart worden.

An ein Gespräch konnte sie sich erinnern, weil die Beurkundungsdaten nicht stimmten. Da hat es einen Riesenaufstand gegeben. Wie sie denn so blöd sein könnte und bei der 14-Tagefrist nicht aufgepasst habe. Siebrand und Dramé hätten ihr dann auch deswegen Ärger gemacht. Sie war auch der Überzeugung, dass Eupen das gewusst hat. Wenn nämlich ein Kunde erst einen Tag vorher auf den Tisch kam, dann könnte ja die 14-Tagefrist gar nicht eingehalten worden sein. Auch hätte das Büro von Eupen immer wieder gedrängt, doch endlich den Kaufvertrag rüberzuschicken.

Wenn es Probleme gegeben hätte, dann wäre es immer die 14-Tagefrist gewesen. In solchen Fällen hätte sie dann einfach das Datum geändert.

Sie hätte auch dann entsprechend die Termine für Siebrand vorbereitet mit dem Büro von Eupen. Auch kurzfristig, auch am Wochenende, da hätte es keine Probleme gegeben. Die Wochenendtermine wären eher die Regel gewesen, weil diese Kunden ja sonst keine Zeit gehabt hätten.

Wenn es mal einen Widerruf des Kaufvertrages gegeben hätte, hätte sie diese Informationen gleich an das Büro Eupen weitergegeben. Bis zu 70 % sind es gewesen. Die Kunden hätten gegoogelt und dann den Widerruf erklärt.

Sie bestätigt auch, dass es teilweise den Widerruf vom Widerruf gegeben hätte.

Verschoben wurden Termine deswegen aber nicht, allenfalls mal, wenn ein Kunde im Stau gestanden hätte und nicht rechtzeitig zum Termin gekommen ist.

Sie hätte dann die geänderten Formulare nach Rücksprache mit Eupen rübergefaxt. Nachdem die Geschäftsbeziehungen mit Eupen beendet waren, wurde bei Wollmann & Partner weiter beurkundet. Das Geschäft hätte aber deutlich nachgelassen. Die Nachfrage sei halt viel geringer geworden.