3. Verhandlungstag im Prozess gegen Notar Eupen

Stand: 02.04.2012

Der dritte Verhandlungstag beginnt mit der Zeugenvernehmung des Notars Prause.

Auf Befragen der Richterin erklärt Prause, er hätte gemerkt, dass nicht alles sauber läuft. Er hatte dann den Kontakt aufgenommen und war dann im Büro von Klug. Er hat mit Kai Klug gesprochen. Drame, Friedrichs und Siebrand waren dabei. Prause hat dann weitere Beurkundungen abgelehnt. Jedenfalls hat er damit begonnen, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass eine Wohnung gekauft wird. Da waren manche Kunden verblüfft. Da hätte er die Beurkundung abgebrochen. Das sei drei bis vier Mal so gewesen. Drame war bei diesen Terminen meist dabei.

Der Kontakt mit Kai Klug ist durch Friedrichs zustande gekommen. Friedrichs hatte damals bei Peter Silke gearbeitet.

Die Geschäftsbeziehung mit Kai Klug war fruchtbar. Er habe rund 180 Akten angelegt. 2008 wurden dann deutlich weniger beurkundet.

Im Rahmen der Beurkundung war dann ein Tag vorher vereinbart. Es wäre unterschiedlich gewesen, das hing vom Bauträger ab. Regelmäßig kamen die Entwürfe für die Urkunden aus dem Büro des Bauträgers und wurden dann später individualisiert.

Er hat dann explizit nachgefragt, wann der Kunde die Unterlagen erhalten hat.

Wir haben Fälle, wo die Kunden angaben, nicht 14 Tage vorher im Besitz der Urkunde gewesen sein. Da hat er die Beurkundung abgebrochen. Prause hat darauf hingewiesen, dass es sich um Angebote handelt, die angenommen werden können. In der routinemäßigen Revision der Notarkammer sei ihm dann auch aufgefallen, dass einwandfrei gearbeitet wurde.

Es gab auch unzufriedene Kunden. Er hat dann den Käufer gebeten, sich an den Verkäufer zu wenden. Er habe sich nicht vorstellen können, dass Kunden von einem Tag zum anderen eine solche Wohnung kaufen würden. Er ist davon ausgegangen, dass Friedrich seriös arbeitet. Schließlich hatte er bei Peter Silke gearbeitet.

(Welch eine sonderbare Feststellung. Peter Silke ist seit Jahren in der Szene als unseriöser Vertriebler bekannt.)

Prause  bestreitet, dass er alles genau gewusst hat, wie ihm das Kai Klug in seiner Vernehmung vorgeworfen hat. 2008 hat es Auffälligkeiten gegeben. Nach dem oben genannten Gespräch mit Klug hat er dann seine Tätigkeit weitgehend eingestellt, hat aber dann die Leuchte noch bearbeitet.

Anschließend gibt Eupen noch eine Stellungnahme ab.

Auch die Staatsanwaltschaft würde immer von Kunden sprechen. Der Begriff „Schrottimmobilien“ sei erst um den Skandal um den Notar Braun Ende 2011 geläufig. Ihm waren solche Begriffe nicht bekannt.

(Herr Eupen, was erzählen Sie da für einen Unsinn?!? Ein Notar, der in der Szene so vernetzt ist wie Sie, kann doch nicht ernsthaft so etwas behaupten! Und dass ein Mitternachtsnotar nur der ist, der spät in die Nacht beurkundet, das wollen Sie geglaubt haben? )

Eupen erklärt dann, dass die Termine immer zwei bis drei Tage vorher vereinbart worden sind. Das wird in den meisten Fällen so sein.

(Das war dann der Tag des Hausbesuches. Dann wurden bereits alle Termine für den Verkaufstermin bei Siebrand oder Navratil mit dem anschließenden Notarbesuch vereinbart. So sicher war man sich der Sache.)

Dann folgt die Fortsetzung der Vernehmung von Kai Klug.

Er berichtigt zunächst, dass es kein Analysebogen gewesen ist, den der Notar bekommen hat. Es war ein umgewandelter Analysebogen in Form eines Notardatenblattes. Das wurde gefaxt.

Herr Klug wird dann von den Verteidigern zu den Haftbedingungen und zu möglichen Absprachen mit der Staatsanwaltschaft und der Kripo befragt. Es hat wohl einige Auffälligkeiten im Gefängnis gegeben. Die Fragen zielen darauf ab, die Glaubwürdigkeit von Kai Klug in Frage zu stellen.

(Natürlich gehen auch wir davon aus, dass Kai Klug kein wirklich reuiger Sünder ist. Wir prüfen seine Plausibilität anhand unserer jahrelangen Beobachtungen. Das meiste deckt sich mit dem was wir bereits wissen. Kai Klug ist ja kein Einzelfall. Er hat nach eigenem Bekunden bei Clemann gelernt und wie fast alle anderen von Eupen betreuten Vertriebe das Clemann Muster einfach fortgesetzt. Nur ein wenig krasser.)

Klug macht Angaben zu seiner Vermögenssituation. Die Aussage, die er im Gefängnis gemacht haben soll, dass er die fünf Jahre locker absitzt und dann von seinen Millionen lebt, sei falsch. Auch sein Landsitz in Wolzig ist mit drei Millionen Euro belastet. Den Vertrag hat die Bank gekündigt.

Nach seinem Abgang von Reno Clemann hat Klug bei Peter Silke weiter gearbeitet und auch Friedrich kennengelernt.

Er hat auch gedacht, dass man das Kaufvertragsangebot noch zwei Wochen widerrufen kann. Das hätte er so gelernt, und deswegen käme es auf die Zweiwochenfrist vorher gar nicht so an.

(Das können wir Klug nicht glauben. Dazu ist er zu lange im Geschäft.)

Notar Prause hätte ungefähr 1000 Urkunden gemacht. Nicht nur für Klug, sondern auch für andere Vertriebe. So für Peter Silke und später auch für Leuchte. 50% seien davon storniert worden. Der Notar erhält immer alle Stornos. Jeder Kunde würde ja  auch schreiben, warum er storniert hat. Meistens im Zusammenhang mit der Schutzgemeinschaft und mit Resch, von denen hätten die meisten Kunden die Informationen bezogen. Kai Klug betont noch einmal: Jeder Kunde der schreibt, ist ein Problemkunde.

Die Kunden vertrauen dann dem Notar und deshalb schreiben sie auch dem Notar. Die Kunden misstrauen dem Vertrieb. Dann soll der Notar alles richten. Sie schicken den Widerruf dorthin. Sie glauben, dem Notar vertrauen zu können.

Schlussfolgerung von Klug: Wenn jemand also irgendwas ein Mal schreibt und der Notar  es ein Mal liest, kann er es vielleicht überlesen. Vielleicht sogar zehn Mal. Aber bei hundertsten Mal muss der Notar es verstehen und kann nicht mehr die Augen verschließen.

Befragt, dass das ja ein Widerspruch zu den Aussagen der letzten Vernehmungen stehe, wonach der Kunde durch die Gegend gefahren wird um die Adresse des Notars nicht mehr wieder zu erkennen erklärt Kai Klug, das sei doch ganz einfach. Man muss bei Google „Eupen“ eingeben und schon hat man Name und Adresse des Notars.

Der Streit eskaliert zwischen den Verteidigern und Kai Klug. Der Richter ermahnt, dass man wieder zur Sachlichkeit zurückfinden muss.

Zu Navratil sei er gekommen, als dieser im Jahr 2008 in der Firma 3 FFF verkauft hat. Da hat er gleich das ganze Büro am Emser Platz 2 übernommen.

Es gab dann Gespräche mit Eupen. Auch Navratil und Siebrand sind dabei gewesen. Danach sind alle Aufträge an Eupen geleitet worden.

Eupen und Navratil kannten sich. Es sei eine Superzusammenarbeit mit Eupen gewesen mit Navratils früherer Vertriebsfirma R & R FirstConcept. So sollte es auch mit Klugs Vertrieb werden.

„Mensch, Marcel, jetzt gibt es wieder Butter bei die Fisch“. So hätte Navratil zu Eupen anschließend gesagt.

Auf Befragen der Richterin erklärt Klug, dass ihn seine Autos 40.000,00 Euro im Monat gekostet haben. 17.000,00 Euro habe die Miete betragen. Noch 15.000,00 Euro bis 20.000,00 Euro monatlich sei für ihn übrig geblieben.

Gewalttätig sei er nur einmal geworden, als er bei einem Thailandurlaub Mitarbeiter mit Drogen erwischt hätte. Da steht die Todesstrafe drauf. Der Vater des Verprügelten hatte sich bei ihm bedankt. Er hätte seinen Sohn vor der Todesstrafe bewahrt.

Ansonsten gäbe es so was nicht. Er hätte auch niemals den Notar bedroht. „Das ist doch mein Goldesel, den fass ich nicht an.“

Es folgt dann die Vernehmung von Siebrand.

Der macht sich wieder über seine Kunden lustig. Bei einem Autokauf würden Sie in 12 Geschäfte gehen,  13 Angebote einholen, das Auto 14 Mal auf die Bühne heben, 12 Angebote einholen und noch einen Sachverständigen dazuholen. Die Wohnung kauften sie bei ihm in einer Stunde.

(Herr Siebrand, da sieht man, was für ein Genie Sie sind. Sie können Leute in einer Stunde dazu bringen, dass sie ihr Leben ruinieren. Wie funktioniert das? Man muss sie belügen, ihnen das Blaue vom Himmel versprechen und ihnen keine Zeit lassen. Man muss sie unter Druck setzen. Sie dürfen nicht nachdenken. Einer der aufgeklärt wird, würde so etwas freiwillig nicht tun.

Recht hat Siebrand allerdings wenn er sagt, dass das seit 25 Jahren überall passiert. Derartige Praktiken sind in der Tat überall in den Vertrieben in Deutschland üblich. In Berlin war es Reno Clemann, der dieses System aufgezogen hat. Seine Mitarbeiter haben später dieses System perfektioniert. Eupen hat selber gesagt, dass er praktisch für alle Vertriebe dieser „Clemann-Jünger“ weiter beurkundet hat. )

Damit endet die Vernehmung von Siebrand. Diese wird fortgesetzt am 12.04.2013.