2. Verhandlungstag im Eupen-Prozess

Stand: 19.03.2013

Der ehemalige Schrottimmobilien-Notar Eupen wird erneut zur Sache befragt und dann folgt die Vernehmung des Zeugen Kai Klug.

Eupen erklärt noch einmal umfangreich, dass er immer vollständig und umfassend informiert hat. In einem Fall habe er allerdings einen formellen Fehler gemacht. In diesem Fall habe er zunächst nicht beurkunden wollen, weil die Voraussetzungen nicht erfüllt gewesen seien. Daraufhin sei die Kundin, wie Eupen alle seine Mandanten nannte, in Tränen ausgebrochen. Sie wollte nicht noch einmal nach Berlin kommen, weil sie von weit her komme. Da hat Eupen ihr angeboten, für zwei Stunden ins Café zu gehen. Er würde in dieser Zeit die Urkunde fertig machen. Sie sollte dann die Urkunde unterschreiben und er dann entsprechend später. Das wäre sicherlich nicht in Ordnung gewesen. Damit hätte er gegen das Beurkundungsgesetz verstoßen. Das ist aber keine strafbare Handlung.

Zu seinen finanziellen Verhältnissen erklärt er, dass er in Teilen wirtschaftliche Schwierigkeiten gehabt hätte. Ein Freund habe ihm da rausgeholfen.

Er hätte auch nie eine Rufbereitschaft gegenüber den Vertrieben gehabt. Das sei in der Presse völlig falsch dargestellt worden.

Dann gibt die Staatsanwaltschaft noch eine Erklärung zu den Aussagen von Eupen ab. Die Staatsanwältin ist erstaunt, welche Erklärungen Eupen im ersten Termin abgegeben hat. Er benutzt ständig das Wort „Kunden“. Das bezeichnet so die Position, in der Eupen sich selber sieht.

Bereits zu Clemann-Zeiten hätte er von Herrn Dielert erfahren, wie Vertriebe arbeiten. Schon lange vor 2008 seien Berichte über den Mitternachtsnotar und Schrottimmobilien bekannt gewesen.

Auch wir glauben, dass Eupen sich als Spezialist für Immobilienrecht nennen kann. Er kennt alle Gepflogenheiten, vor allen Dingen die Interna der Vertriebsszene, sehr genau. Schließlich war er Teil von ihr, wie er schon im ersten Termin ausgesagt hat. 15 Vertriebe hätte er betreut. Das sind faktisch alle Vertriebe, die in Berlin damals tätig gewesen sind. Wenn es also einen Spezialisten gab, dann darf Eupen diesen Titel für sich beanspruchen.

Dann erfolgte die Vernehmung des ersten Zeugen. Das war Kai Klug. Er bestätigt zunächst, dass das gegen ihn ergangene Urteil richtig ist. Er hätte Provisionssätze zwischen 22 bis 35 Prozent genommen. Jeweils ein Drittel über dem Kaufpreis. Er erklärt auch, dass schon Clemann allen vorgemacht hätte, wie man an potenzielle Kunden rankomme. Clemann und SH (das war die damalige Firma von Peter Silke) hätten diese Organisation aufgebaut. Ein Callcenter sei vorgeschaltet worden. Per Klicktel-CD hätte man dann alle Kunden abtelefoniert. Die Leute auf der Liste wurden angerufen und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen über ihre Unzufriedenheit mit der Steuerpolitik geködert. Für € 500,- würde man ein kostenloses Steuerfachgespräch bekommen. Dann seien die Bögen für zwei Monate eingelagert gewesen.

Nach einem erneuten Anruf werden dann Besuchstermine verabredet. Die sogenannten „Vorabler“ suchen die Kunden zu Hause auf. Die Vorabler wurden etwa drei Stunden geschult, das seien recht einfache Menschen gewesen.

Verkäufer in seinem Büro seien Navratil und Siebrand gewesen. Er hatte auch öfter den Firmenmantel geändert. Da gebe es die Steuerinsel, die Steuerfüchse und viele andere. Abgerechnet worden sei immer über KK Royal Basement. Siebrand sei unter den Namen Dr. Lindemann und Lindemann aufgetreten. Über Bauträger  habe er Siebrand kennengelernt. Der Bauträger hätte damals den Vertrieb für die Estavis durchgeführt und habe Siebrand empfohlen mit der Ankündigung, dass dieser zehn Wohnungen im Monat für ihn verkaufen müsse.

Die Kunden seien dann im Büro gut bewirtet worden. Der Verkäufer komme später dazu. Es müsse die Atmosphäre aufgebaut werden, dass sehr viel zu tun sei. Besonderes Talent hätten Siebrand und Navratil gehabt. In einer Stunde schon wären die Kunden beim Notar gewesen.

Er selber hätte allerdings mit den Verkäufern nicht so viel zu tun gehabt. Die hätten ihn mehr genervt. Deswegen hätte er Friedrich dazwischen geschaltet. Er hätte nur alles organisiert.

Dramé hätte dann die Vorabler geschult und sei auch dann Begleiter beim Notar gewesen. Er hätte den Kunden eingeimpft, dass sie dem Notar erklärten, die 14-Tagefrist sei eingehalten worden.

Kai Klug habe dann fünf Minuten nach dem Verkaufsangebot per SMS den Bauträger informiert, dass der Kunde gekauft hat. Dann hätten sich die Bauträger um die Annahme des notariellen Angebots gekümmert. Kai Klug hat dann telegrafisch Rechnung gelegt. Die Provision sei dann an die verschiedenen Abteilungen verteilt worden. Ab Euro 500.000,00 Umsatz würde es eine ROLEX gegeben haben.

Das Geld sei an die Mitarbeiter ausgezahlt worden, wenn der Betrag bei Klug eingegangen sei. Die halbe Provision nach Kaufvertrag, die andere Hälfte nach dem Abschluss des Darlehensvertrages. Wenn das Geschäft ins Storno gegangen sei, hätte er die Gelder von den Mitarbeitern zurückgefordert. Er hätte dafür allerdings keine Zinsen genommen. Er hätte auch das Geld dann nie zurückerhalten. Alle hätten „die Hand gehoben“.

Gemäß den Exposés hätte er gewusst, dass das alles Schrottimmobilien gewesen seien. Seine Sekretärin, Frau Franke, hätte ihm das alles vorgelegt. Die Bauträger ließen das alles von der Bank einwerten. Die Bank habe gesagt, mit wie viel Geld die Kunden finanziert würden. Gewinnmarge sei 70 %, das wisse er von seiner eigenen Firma, der Leuchte GmbH. Auch die Banken würden das Exposé erhalten. Keine der Banken hätte das Objekt besichtigt. Angeblich würde nur die Lage zählen. So jedenfalls würde er es dem Finanzierungsvermittler sagen. Schließlich würde der Finanzierungsvermittler die Provision von der Bank erhalten. Nicht vom Vertrieb. Diese Provision wurde auch gegenüber dem Kunden nicht offengelegt.

In den Gesprächen hätte es nur eine Modellrechnung gegeben, die sähe dann halt immer gut aus.

Eupen hätte er im Jahr 2006 kennengelernt. Vorher hätte er bei einem anderen Notar gearbeitet. Der hätte aber auf der 14-Tagefrist bestanden. Von zehn Kunden hätten dann auch nur drei gekauft. Das hätte sich nicht gelohnt.

Navratil hätte er kennengelernt, als er die Büros der R+R First Concept GmbH am Emser Platz 2 übernommen hätte. Dort gab es die Firmen 3FFFund S.H.. Ab2008 hätte dann Navratil für KK Royal Basement verkauft. Navratil hätte über Eupen die Beurkundungen gemacht. Navratil kannte Eupen als vertriebsfreundlichen Notar. Navratil hätte dann Eupen ins Büro zu KK Royal Basement eingeladen.

Man habe gesprochen. Eupen sehe sich mehr als Verkäufer als ein Notar. Das sei eine Win-win-Situation für alle. Dieses Gespräch mit Eupen sei in Gegenwart von Siebrand und Navratil erfolgt. Eupen hatte Vertriebserfahrung und wisse, wie das alles läuft.

Dann wurden die ersten Verkäufe über Eupen abgewickelt. Dramé war Begleiter. Die Geschäfte explodierten buchstäblich. Dem Kunden entstanden keine Kosten, wenn die Finanzierung nicht stehe. Der Kaufvertrag wurde dann einfach nicht angenommen. Er selber sei bei den Beurkundungen bei Eupen zwar nie dabei gewesen, er hätte aber von den Mitarbeitern gehört.

Die Umsätze seien kräftig gestiegen. Das hätte sicherlich an Eupen gelegen, der hätte den Kunden erklärt, die Angebote seien unverbindlich, was ja schlichtweg gelogen war. Eupen hätte die Angebote auch sehr spät an den Kunden abgeschickt. Eupen wusste auch, wie die KK Royal Basement gearbeitet habe. Schließlich kenne Eupen die Bauträger alle persönlich. Acht bis zehn Termine am Wochenende hätte es gegeben. Eupen saß im Büro und hat gewartet. Die Uhrzeit und der Wochentag waren Eupen egal.

Klug belastet auch die Bauträger. Denn die Analysebogen gehen auch an den Bauträger. Eupen erhält ebenfalls den Analysebogen. Da stehen alle Daten drauf. Eupen wusste also ganz genau, dass die 14-Tagefrist nicht eingehalten worden war. Man muss schon sehr blind sein, es nicht zu sehen, sagte Klug .Bei fünfzig Urkunden im Monat sei das ein Gutes Geschäft gewesen. Eupen würde ja sein Geld auch dann erhalten, wenn das Geschäft platzt. Den Kunden hätte er gesagt, es kostet Sie nichts.