10. Verhandlungstag im Prozess gegen Eupen

Stand: 29.04.2013

Am 19.04.2013 wird der Prozess gegen Eupen mit der Vernehmung von Navratil, der in Begleitung seines Rechtsanwaltes erschein, fortgesetzt. Er wird durch die Vorsitzende Richterin belehrt und darauf hingewiesen, dass er zu bestimmten Komplexen ein Aussageverweigerungsrecht hat. Navratil war der Top-Verkäufer neben Siebrand. Navratil ist in Klugs Dienste getreten, als er seine Geschäftsräume am Emser Platz an Kai Klug übergeben hat.

Er bestätigt noch einmal seine Verkaufsmethode. Beim Kauf einer steuerbegünstigten Immobilie ist der Aufwand durch die Steuern und die Miete weitgehend gedeckt. Am selben Tag sollte es dann zum Notar gehen. Das war das Ziel, so erklärt Navratil. Natürlich ist das falsch gewesen. Schon allein deshalb, weil doch gar keine Darlehensverträge vorlagen. Deshalb konnte die Belastung gar nicht genau ausgerechnet werden. Das Ganze war Psychologie, wie Navratil mehrfach betont. Er hätte alles bei Kai Klug gelernt. Siebrand hätte es ihm beigebracht.

Das können wir Herrn Navratil nicht wirklich abnehmen. Er hat lange Jahre sehr „erfolgreich“ als Top-Verkäufer in seiner eigenen Firma R+R First Concept GmbH gearbeitet. Über die 14-Tagefrist ist man ganz einfach hinweggekommen, indem man dem Kunden erklärt hat, dass er sonst in 14 Tagen noch einmal wiederkommen müsste. Das wollten die Kunden nicht. Dann wurde die Unterschrift rückdatiert.

Anfangs hätte man mit Notar Prause gearbeitet. Der hätte aber genau darauf hingewiesen, dass es sich um den Erwerb einer Wohnung handelt. Die Kunden hätten dann bei Prause nicht unterschrieben. Deshalb hätte man sich von Prause getrennt. Man wollte einen Notar haben, der nicht unbedingt alles so genau erklärt, dass der Kunde es begreift. So ist man dann auf Eupen gekommen. Eupen hatte gesagt, es handelt sich lediglich um ein unverbindliches Kaufangebot. Wenn die Finanzierung nicht klappt, dann wäre das alles ungültig. In schwierigen Fällen sollte er nicht so direkt sein, sondern ein bisschen lockerer. Er selbst hätte ein solches Gespräch mit Eupen geführt. Navratil bestätigt, dass Eupen einen Zettel bekommen hat, auf dem der Käufer die 14-Tagefrist schriftlich bestätigte. Bei Eupen war das Ganze ganz locker. Man machte es sich bequem. Die Kunden hätten nie etwas verstanden. Das hätten die Kunden alle so gesagt. Zwar hätte Eupen gesagt, dass die Kunden Fragen stellen dürften, aber damit seien die Kunden psychologisch ausgebremst worden. Von 100 Kunden hätte einer mal eine Frage gestellt. Neben Eupen gab es noch die Kanzlei Wollmann & Partner.

Es gibt dann eine heftige Auseinandersetzung zwischen den Verteidigern und der Staatsanwaltschaft über die Befragung des Zeugen. Nach einer kurzen Pause wird die Vernehmung fortgesetzt. Auf Befragen wurden viele Namen sogenannter Vertriebsnotare genannt. Nach der Mittagspause fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein informelles Gespräch statt.

Die Hauptverhandlung wird am  7. Mai 2013 fortgesetzt.