KGAL, Seaclass 11, MIDIR Mobiliengesellschaft mbH & Co. KG – Schiffsfonds in schwerer See! – Rettung für Anleger möglich?

Durch das Emissionshaus KGAL (KGAL GmbH & Co. KG) aus Grünwald wurden diverse geschlossene Fonds mit einem Milliardenvolumen aufgelegt. Tausende von Anlegern investierten ihr Geld in Immobilienfonds, Flugzeugfonds, Schiffsfonds und Infrastrukturfonds der KGAL.

So auch in den Fonds MIDIR Mobiliengesellschaft mbH & Co. KG, der in Leistungsbilanzen auch gern vollmundig KGAL Seaclass 11 abgekürzt wurde. Ebenso findet sich auch die Bezeichnung Alcas 214.

Seinerzeit wurde die MIDIR Mobilien-Verwaltungsgesellschaft mbH, Grünwald als Komplementärin bestellt.

Die knapp 1.500 Anleger haben sich unmittelbar oder über einen Treuhandkommanditisten mit einer Mindestsumme von 15.000 USD an dem Schiffsfonds beteiligt. Das Investitionsvolumen beträgt ca. 122.000.000 USD, wovon ca. 60.000.000 USD als Eigenkapital aufgebracht werden sollten.

Die Fondsgesellschaft investierte 101.250.000 USD in den Schüttgutfrachter (Capesize Bulker) „SC Lotta“.

Der Fonds wurde 2008 platziert und sollte bis zum Jahre 2027 laufen.

Leider hat sich der Fonds überhaupt nicht nach den Erwartungen der KGAL-Anleger entwickelt. Die Anleger erhielten immer wieder Hiobsbotschaften und mussten die schlechten Erfahrungen anderer Schiffsfondsinvestoren teilen.

Der Schiffsfonds war diversen Risiken ausgesetzt. Da die wesentlichen Geschäftsvorfälle der Gesellschaft in USD abgerechnet werden, ist die Fondsgesellschaft mit Wechselkursrisiken konfrontiert und hat ausweislich der letzten Bilanz auch Währungsverluste in Millionenhöhe erlitten.

Der Schiffsfonds MIDIR Mobiliengesellschaft mbH & Co. KG (Seaclass 11) entwickelte sich in den vergangenen Jahren nicht mehr konzeptionsgemäß. Die Chartereinnahmen waren viel zu gering. So reduzierte sich die ursprüngliche Charterrate von 47.250 auf 18.500 USD.

Aber damit nicht genug! Aufgrund der gesunkenen Marktwerte der Fondsschiffe hat der Darlehensgeber die Möglichkeit, eine Verletzung der Loan-to-Value-Klausel des Darlehensvertrages anzuzeigen. Dadurch entsteht das Risiko der sofortigen Fälligstellung des Darlehens. Damit ist die Fondsgesellschaft in ihrem Bestand konkret gefährdet.

Die Fondsgeschäftsführung hat mit der Bank mehrfach eine Tilgungsstundung vereinbart. So wurde vereinbart, dass 2015 und 2016 keine Tilgungsraten zu leisten sind. Wie geht es dann wohl weiter?

Demzufolge befinden sich die Anleger in einer unerfreulichen Situation und müssen feststellen, dass sich die Risiken ihrer unternehmerischen Beteiligung verwirklichen, obwohl ihnen der Schiffsfonds als sichere Anlage empfohlen wurde. Vielmehr müssen sie sogar mit dem Totalverlustrisiko rechnen.

Dies ist wahrlich eine erschreckende Erkenntnis und sollte den KGAL-Anlegern zu denken geben. Wie mag das Geschäftsjahr 2016 verlaufen? Wie soll man dies bewerten? Wird es das Jahr der Entscheidung?

Nunmehr wird klar: Die Schiffsfondsbeteiligung ist eine hoch spekulative Anlage mit erheblichen unternehmerischen Risiken, bei der auch mit dem Totalverlustrisiko und Insolvenz gerechnet werden muss. Für Anleger mit dem Anlageziel „Altersvorsorge“ sind geschlossene Fonds und damit auch Schiffsfonds nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs generell nicht geeignet und hätten von vornherein gar nicht empfohlen werden dürfen.

Die Anteile des Fonds wurden u.a. durch Banken (u.a. Dresdner Bank bzw. Commerzbank) vertrieben, die dafür Provisionen erhalten haben. Folgt man der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (sog. Kick-Back-Rechtsprechung) muss die Bank, wenn sie den Kunden nach den Kriterien der anleger-und objektgerechten Beratung beraten will, über Höhe ihrer Rückvergütung aufklären, die sie von der Fondsgesellschaft erhält. Der Anleger ist erst dann in der Lage, Interessenkonflikte der Bank zu erkennen.

Ungewiss ist auch, ob die Anlageberater die KGAL-Anleger ordnungsgemäß über die Risiken ihrer Anlage (u.a. Wechselkursrisiken und das Risiko der Loan-to-Value-Klausel) aufgeklärt und den Prospekt übergeben haben. Ob dies in der Vergangenheit geschehen ist, ist sehr fraglich und im Einzelfall zu prüfen.

Was können nun die Anleger der KGAL, Seaclass 11, MIDIR Mobiliengesellschaft mbH & Co. KG tun? Sind die Anleger nicht anleger-und objektgerecht beraten worden, so haben sie nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes Anspruch auf Schadenersatz. Nach Rückübertragung ihres Fondsanteils erhalten die Anleger ihre geleisteten Einzahlungen zurück. Die Anleger sollten schnell handeln und ihre Ansprüche prüfen lassen.

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