Offizin AG

Offizin AG –Nachrangdarlehen – Vermittlung nach Kleinanlegerschutzgesetz? – Risiko für Anleger?

Jahrzehntelange Erfahrungen - Seit 1872 – So wirbt die Berliner Offizin Immobilienverwaltung AG um Investoren für ihr Anlageangebot „Offizin Handelsrendite 1“.

Die Anleger werden auch telefonisch kontaktiert und ihnen wird eine Kapitalanlage in Form eines festverzinslichen Nachrangdarlehens mit qualifizierten Nachrang und Zahlungsvorbehalten angeboten. Geworben wird mit einem Festzins von 6,25 % und einer kurzen Anlagezeit von drei Jahren. Was ist dran an diesen Werbeversprechen? Handelt es sich tatsächlich um eine Firma mit einer langen erfolgreichen Geschäftstradition oder wird hier nur ein alter Firmenmantel um ein „neues“ Geschäftsmodell gehüllt?

Geworben wird von der Offizin Immobilienverwaltung AG mit diversen Alleinstellungsmerkmalen, wie Know-How, jahrzehntelanger Erfahrung, einem professionellen Management, einem einzigartigen Netzwerk und einem Pool an Investoren. Es soll günstig weit unter dem Verkehrswert eingekauft und mit für die Branche überdurchschnittlichen Gewinn zeitnah weiterverkauft werden. Mit diesen eindrucksvollen Werbebotschaften wird um Investoren geworben. Ist das seriös? Gibt es schon Erfahrungen von Kunden und Anlegern?

Schaut man sich die Offizin Immobilienverwaltung AG etwas genauer an, stellt man fest, dass der Geschäftssitz diverse Male verlegt wurde und die Gesellschaft mal im Handelsregister in Stuttgart eingetragen war, dann zum Handelsregister nach Ulm verlegt wurde, dann nach Leipzig wanderte und nunmehr in Berlin eingetragen ist. Warum bei einem angeblichen Traditionsunternehmen so viel Sitzverlegungen nötig waren, wissen nur die Offizin-Macher. Vertrauenserweckend ist dies nicht gerade.

Die Kontinuität beim Personal lässt sich beim Management der Offizin AG über die Jahre auch nicht finden. Die Vorstände Bernd Helmke und Susanne von Maske sind gerade einmal seit August 2014 und Thomas Lieschied seit Mai 2015 im Handelsregister eingetragen. Worin die jahrzehntelange Erfahrung im Immobiliengeschäft liegen soll, ist damit noch nicht belegt.

Interessant ist auch eine Personalie im Aufsichtsrat der Offizin Immobilienverwaltung AG. Hier wird als Aufsichtsrat Rechtsanwalt und Ex-Notar Hans-Günther Lennartz vorgestellt. Dem einen oder anderen Anleger wird dieser Name bekannt vorkommen, im Zusammenhang mit der Beurkundung von Immobilienkäufen. Ebenso soll es Anleger geben, die Ex-Notar Hans-Günther Lennartz eine mangelnde Aufklärung bei der Beurkundung von Immobiliengeschäften vorwerfen und deshalb Schadensersatzansprüche geltend machen wollen. Ob dies die richtige „Expertise und Erfahrung“ für das Team der Offizin AG ist, bleibt dem Urteil der Anleger überlassen.

Dem Leser der Offizin-Werbebroschüre wird auch ein Leitungsnachweis präsentiert. Interessanterweise deklariert als „Leistungsnachweis der Offizin AG und ihrer Kooperationspartner“. Wer diese Kooperationspartner sind, bleibt hier auch im Dunkeln, vielmehr werden nur bruchstückhafte Informationen geliefert. Der Anleger erfährt nicht, wer die jeweiligen Vertragspartner der jeweiligen Transaktionen waren und ob es sich tatsächlich um Leistungen der Offizin AG handelt.

Wer sich nun die Bilanzen der Offizin Immobilienverwaltung AG vornimmt, kann sich nur wundern. So findet man noch keine Bilanz des Geschäftsjahres 2014, gleichwohl aber drei verschiedene Versionen für das Geschäftsjahr 2013. Auch die wenigen Gesellschaften im Einflussbereich von Vorstand Bernd Helmke sind bilanziell nicht eindrucksvoller und befinden sich überdies im Besitz der Familie Helmke und sind somit für Offizin-Anleger nur bedingt von Interesse. Für ein Unternehmen, das an den Chancen des hoch profitablen Immobilienhandels partizipieren will, sind die Bilanzzahlen enttäuschend und sicher keine Einladung für Anleger Geld zu investieren.

Auch die genaue Lektüre der Anlagebedingungen könnte bei Anlegern für Skepsis sorgen. So handelt es sich um eine Kapitalanlage in Form eines festverzinslichen Nachrangdarlehens mit qualifizierten Nachrang und Zahlungsvorbehalten. Der Anleger gibt der Offizin AG ein Darlehen. Warum bei diesem so angeblich profitablen Geschäftsmodell keine Bankkredite in Anspruch genommen werden, bei denen sicher weniger als 6,5 % Zinsen gezahlt werden müssen, ist schwer nachvollziehbar.

Das Darlehen der Anleger beinhaltet einen Rangrücktritt gegenüber sonstigen Verbindlichkeiten des Unternehmens im Falle der Liquidation oder der Insolvenz. Zahlungen aus dem Nachrangdarlehen können nur verlangt werden, wenn bei dem Unternehmen hierdurch kein Insolvenzeröffnungsgrund herbeigeführt wird. Die Laufzeit des Darlehens ist unbestimmt und eine Kündigung ist erst nach drei vollen Kalenderjahren zum 31. Dezember möglich. Dabei ist eine zwölfmonatige Kündigungsfrist zu beachten.

Fraglich ist auch, ob beachtet wurde, dass die Nachrangdarlehen seit Inkrafttreten des Kleinanlegerschutzgesetzes nur mit einer Erlaubnis nach § 34 f Gewerbeordnung (GewO) vermittelt werden dürfen. Ebenso ist die Möglichkeit Finanzanlagen ohne eine Lizenz der BaFin zu vertreiben, deutlich eingeschränkt worden. Es gibt auch kein einheitliches Muster bei den Vertragsbedingungen, vielmehr sind diverse Varianten möglich. Auch darauf sind Anleger gegebenenfalls hinzuweisen.

Die Nachrangdarlehen als Kapitalanlage sind mit speziellen Risiken verbunden und der Vergleich mit anderen Kapitalanlagen ist dringend erforderlich. Die Anleger sind in Wohl und Weh auf die wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft angewiesen. Mithin verbindet sich mit dieser Kapitalanlage das Risiko des Teil- oder gar des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

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